Bericht zum 5. Sparda-Cross-Triathlon

Drei Stunden und vierunddreißig Minuten. Die gute Nachricht: „Hammer“ gefinished. Nach zwei Jahren „Hämmerchen“ jetzt also die längste Distanz, die der 5. Sparda-Cross-Triathlon bietet. 750 Meter Schwimmen (statt 500), 28 Kilometer MTB  mit rund 800 Höhenmetern (statt 14) und 10 Kilometer Laufen (statt 5). Das ist noch weit weg von der Langdistanz, vom IronMan. Dort ist man 3,5 Kilometer im Wasser unterwegs, 180 Kilometer auf dem Rad, 42,195 auf der Laufstrecke. Mitglieder des Tri-Club haben Erfahrung damit. Es gibt Sportler, die noch einen drauflegen. Doch nicht hier, nicht heute. Und besonders nicht ich.

Zwei Tage Erholung waren nach dem Lauf und diesem Bericht schon nötig. Und noch immer protestiert mein Körper gegen die Folgen von ein paar Stunden Sport am Stück. Eine beliebte Läuferweisheit sagt, dass einen nicht die Distanz fertigmacht, sondern das Tempo. Und wie es eben mit Sprichwörtern so ist, halten sie häufig einem Realitätscheck nur oberflächlich stand. Distance does matter. Läufersprüche ziehen beim Triathlon ohnehin nicht, bei der Crossvariante querfeldein und auf und ab gleich gar nicht. Geschwindigkeit hatte ich mir ja von Vornherein abgeschminkt, da es ganz triathlontypisch auch beim Hammer zunächst ins Wasser geht, quer auf die 25 Meter kurzen Bahnen des Freibad Neuenhofs…

 (Foto: SH Photography by Stefan Hegenbart)

Schwimmen
Bei Prachtwetter mit viel Sonnenschein starteten wir um 10:30 Uhr auf die Distanz von dreißig Bahnen. Die  Furcht im Vorfeld war unbegründet: Das Schwimmen klappte viel besser als angenommen. Must-have: Eine Schwimmbrille. In den beiden letzten Jahren bin ich ganz ohne gestartet. Dabei ist sie ein unverzichtbares Utensil, bietet Orientierung und ordnet das Chaos im und unter Wasser.

Zu meiner eigenen Überraschung zog ich Bahn um Bahn meine Bahnen, ohne auch nur an ein Päuschen am Wendepunkt oder rückenschwimmend zu denken. Im Gegenteil, ich klemmte mich hinter meinen Vordermann, um  Windschatten und Bugwelle zum Energiesparen zu nutzen. Die Sonme schien, die Sambaleros trommelten – alles perfekt. Bis zum überraschenden, schmerzhaften Krampf im rechten Unterschenkel auf den letzten Bahnen.

Mit Krämpfen hatte ich noch nie Probleme, nicht mal ansatzweise. Schon gar nicht nach gerade mal 20 Minuten besserem Aquajogging, vermeintlich muskel- und gelenkschonend im Wasser. Am Beckenrand also ein paar Sekunden inne halten, atmen, ärgern, weiter. Gleich geht´s doch auf´s Rad, da können sich die Unterschenkel ein bisschen ausruhen…

Um nochmal ein Sprichwort zu bemühen, diesmal passender: Hinterher ist man immer klüger. Gilt auch für den Gastrocnemius. Zwei Tage nach dem Wettkampf schmerzt die hintere obere Wade noch ganz ordentlich, nach Sitzen und Aufstehen folgt zwangsläufig Humpeln. Gehen klappt nach kurzer Einlaufphase überraschend gut, an Laufen ist aber nicht zu denken. Unterm Strich wohl mehr als nur ein Krampf, da deutet alles auf eine Zerrung hin. Linderung per PECH: Pausieren, Eiswanwendung, Compression, Hochlegen.

Zurück ins Schwimmbecken: Vordergründig entspannte sich die Muskulatur wieder, was vielleicht auch meiner Freude geschuldet war, nach mehr als 20 Minuten und beinahe Letzter das Becken unter dem Jubel der Zuschauer verlassen zu dürfen, und barfuss einige hundert Meter hinter der Müllverbrennungsanlage (interessanter Photowalk, diesmal blieb dafür jedoch keine Zeit) hinauf in die Wechselzone zum Rad zu wetzen. Überhaupt, diese Zuschauer und Helfer: Die Stimmungsnester aus Sylt haben in Wuppertal ihre Meister gefunden. Die Stimmung beim Sparda-Cross ist wirklich einzigartig, überall freundliche Gesichter, treibende Atmosphäre und jubilierende Anfeuerung, die für die Teilnehmer eine immense Hilfe ist.

 (Foto: SH Photography by Stefan Hegenbart)

Rad
Mir war klar, dass ich auf dem Rad vom Start weg ganz hinten im Feld liege. Das Ziel laute angesichts der vor wenigen Wochen absolvierten Lungenentzüngung zwar nur „Ankommen und Spaß haben“, doch insgeheim hat man ja doch etwas mehr Ehrgeiz. Die Doppelrunde durchs Burgholz sollte also für die eine oder andere Überrundung gut sein. War sie auch, doch nicht für mich:

Noch mehr als beim Laufen, spielt beim Triathlon das Material eine wichtige Rolle. Beim Marathon geht man grob gesagt gedanklich vorher seine Checkliste durch, ordnet sich seine Schuhe, die Shorts, das Shirt, den Zeitmesschip, vielleicht schon im Vorfeld die Startnummer abholen, Verpflegung planen, Startaufstellung, Laufen, fertig. Beim Triathlon muss ich mir dank des Einteilers für Schwimmen, Rad und Laufen weniger Gedanken ums Gear machen, dafür um die Fortbewegungsmittel. Das Rad.

Lassen wir mal spezielle Radschuhe samt Klickpedalen beiseite, so weit bin ich noch nicht. Die Trailrunning-Schuhe auf den Füßen reichen mir bislang völlig, da Kraft und Kondition meine limitierenden Faktoren sind, weniger das Gerät. Wobei, so ganz stimmt das eben nicht:  Weder habe ich mich vorher mit dem richtigen Reifenluftdruck beschäftigt, noch mit dem richtigen Schalten am Berg. Oder der Optimierung von Kette und Ritzeln.

Relativ platte Reifen kosten Speed, Kraft und Stabilität. Natürlich müssen es im Gelände, auf Schotter und Singletrail, bei weniger als 70 Kilo Gewicht keine 5 bar Luftdruck in den Reifen sein. Aber wenigstens ein oder zwei wären schön. Geschaltet wird idealerweise nicht am Berg auf Zug und Spannung, sondern in der Ebene, während man die Veränderung kommen sieht. Spannung auf Ritzel und Kette sind physikalisch einfach keine gute Kombination, wenn die Kette auf den Kränzen hoch- oder runterspringen soll. Beherzigt man das, harmonisiert es ungemein das Tempo.

Meine Rettung war Steven, Mitglied des Tri-Clubs und als Schlussfahrer im Feld. Das Bike bereitete mir schon seit dem Start Probleme, war im Antritt schwergängig, ließ Stabilität in den Kurven vermissen, hakte in der Schaltung. Die Probleme machten die schmerzenden Beine beinahe vergessen. Steven schloss schon in der ersten Runde auf, wenig später konnten wir bei einer kurzen Pause mein Rad  unter die Lupe und Pumpe nehmen. Dankbar für die Hilfe und Tips, aber beschämt über meine Leistung und Vorbereitung. Wo ich schwer atmend den Berg hochkeuchte, ließ der amtierende IronMan jeden Hauch einer Anstrengung, ob optisch oder respiratorisch, vermissen. Ja, es sah bei ihm noch nicht mal nach entspannter Sonntagsausflugsfahrt aus, sondern reinster Bummelei. In meiner Verzweiflung sprach ich mir Mut zu, diesmal mit der Binsenweisheit, der Triathlon würde auf der Laufstrecke gewonnen. Klarer Fall von Selbstoffenbarungs- und Appellebene, doch Steven ist kein Fan von Ferdi Schultz von Thun, korrigierte cool auf der Sachebene, dass es keine Paradedisziplin gibt, und in seinem Cluster beim IronMan der Abstand gerade mal 30 Sekunden im Ziel betrug. Ich schnaufte und beschloss still, in Zukunft weniger Kommunikations- als Sportwissenschaft zu lesen. Wahrscheinlich angesichts meiner Atmung wies Steven wenig später darauf hin, ich hätte noch „ganz gut Reserve mit den paar Rettungsringen“. Irritiert hielt ich inne, im Zwiegespräch mit mir selbst. Gut, Steven ist noch weit drahtiger und wirkt wesentlich trainierter. Aber Rettungsringe? Der Einteiler wird doch nicht auftragen… Angesichts der Auslastung verkürzte ich meine Rückfrage auf ein hechelndes „Hä?“. Anschließend erleichtert, dass wir nicht nur den Berg überwunden hatten, sondern Steven lediglich mein rückwärtiges Ritzel und verbleibenden Gänge meinte. Um sprichwörtlich im Bild zu bleiben: Der Kelch ist noch mal an mir vorübergegangen, Mt. 26,39.

Über die knackigen Anstiege bei immerhin gut 800 Höhenmetern insgesamt auf der 28 Kilometer langen Strecke hüllen wir mal den Mantel des Schweigens statt Schreibens, bis auf diesen Pro-Tipp: Aufgrund der Steigungen am besten beim Antritt am Berg im Sattel sitzenbleiben, um Gewicht auf dem Hinterrad zu lassen. Dabei nach vorne beugen, um das Vorderrad am Wegrutschen zu hindern. Hab ich so gehört. Absteigen ginge auch.

Die Fahrt bot wieder wie gewohnt rasante Abfahrten, die zugunsten des Tempos eine Streckenkenntnis unbedingt voraussetzen. Selten ist der Weg weit einsehbar. Bremsbereit ist man trotzdem bzw. gerade deshalb jederzeit, wegen Spaziergängern, Wildwechsel und anderer Fahrer. Der Tri-Club hat die Warnhinweise auf der Strecke noch weiter optimiert, an zwei neuralgischen Stellen unübersehbare Bremshinweise aufgespannt. Angesichts des Schneckentempos bergauf habe ich mich insgeheim gefreut, von den zahlreichen Ordnern auf die Distanz bergab immer wieder eingebremst worden zu sein. Safety first, wobei ja gerade Schnecken wie ich auf Schussfahrten dringenst angewiesen wären.

(Foto: Christoph Hakenberg, Tri-Club)

Laufen
Von den Tri-Clu-Membern, Helfern und Zuschauern auf der Sambatrasse wurde man am Ende (Teekesselchen!) regelrecht in die Wechselzone geklatscht und gejubelt. Hammer! Mittlerweile sind auch die später gestarteten Fahrer des „Hämmerchens“ auf der Strecke, und zwar Rad und Laufen gleichermaßen. Wo ranglistenbedingt also die letzte Stunde große Einsamkeit im Wald für mich herrschte, war ich plötzlich wieder unter Leuten.

Schon auf dem Rad schonte ich etwas die Kräfte, aus Angst vor weiteren Krämpfen. Beim Laufen nahm sich der Körper von alleine zurück, jeder Tritt schmerzte im rechten Bein. Die erste Runde von 2,5 Kilometern auf der Sambatrasse ging noch hakelig vom Fuß. Wie sollte es auch anders sein, so ganz ohne Wechseltraining im Vorfeld.

Mittlerweile war es Mittag, die späte Septembersonne brannte kräftig, und mit knapp unter 30° war es richtig heiß. Es fühlte sich an wie eine Erfahrung aus vielen einzelnen Läufen der Vergangenheit: Anstrengend und in den Muskeln schmerzend wie ein Marathon ab Kilometer 30, heiß wie die Hitzeschlacht in Himmelgeist, die Strecke bekannt und vertraut wie aus dem Trainingsläufen im Winter.

Vier Runden. Kaum noch Kraft. Und immer wieder Weggefährten auf der Strecke treffen, die genauso fix und fertig sind wie ich, allerdings schon ein bis zwei Runden weiter. So wie das tröstet, nagt es. Doch mehr geht einfach nicht. Mehr hieße, in den Schmerz hineinzulaufen. Ich hätte das Gefühl, meinem Körper zu schaden. So genieße ich einfach die Anstrengung und Atmosphäre. Am Ende werde ich knapp über eine Stunde für die 10 Kilometer benötigt haben. DNF is not an option.

Ich bin etwas durcheinander, was die Runden angeht. Angesichts stark verringerter Aktivitäten des präfrontalen Cortex bei starker körperlicher Belastung ist das nicht ungewöhnlich. Seinen Teil dazu bei trägt der wirklich nette Moderator im Zielbereich, der nach der zweiten Runde meinte, jetzt habe ich ja nur noch eine vor mir. „Komm, letzte Runde“, hörte oder halluzinierte ich auch auf der Strecke. Da kommt man irgendwann durcheinander. Eine Sportuhr trage ich beim Triathlon nicht, so dass ich es am Ende bei meiner Erinnerung beließ, und gottlob damit richtig lag. Sich bei den Runden zu verzählen, wäre später ein quälender Fehler. Und ich weiß, wovon ich spreche 😉

Im Ziel. Keine Freude über die Leistung. Ich bin zwar glücklich, es geschafft zu haben, aber beschämt, die rote Laterne zu tragen. Rang 67 von ursprünglich 81 Anmeldungen. Die 14 Plätze dazwischen sind also entweder nicht angetreten oder haben abgebrochen. Weniger als 20% aller Starter haben heute überhaupt den „Hammer“ alleine bewältigt. Und trotzdem. Immerhin kenne ich einige gute Gründe. Schwimmen und Kraftausdauer trainieren, das ist eine gute Idee für die Zukunft. Vorher gesund bleiben. Das Rad inspizieren. Die Muskeln dehnen, um einem Krampf oder einer Zerrung entgegenzuwirken. Immerhin ist es geschafft, trotz der Hürden. Selbst Schwimmen ist mir sympathisch geworden. Und der Wille hat im Wettkampf hat gehalten, an Kraft und Kondition kann man arbeiten.

(Foto: Till Brühne)

Ausblick und Dank
Eine große Freude, dass vor Ort direkt der 6. Sparda-Cross-Triathlon in 2013 angekündigt wurde. Wer Lust auf die Veranstaltung bekommen hat, ist gut beraten, sich bei Start der Anmeldemöglichkeit schnell zu entschließen. Das ist nicht nur günstiger, sondern auch sicherer, da in diesem Jahr die Plätze in kurzer Zeit und so rasch wie noch nie vergeben waren. In jedem Fall für das Hämmerchen, für den Hammer bleibt meist noch etwas mehr Zeit. Nicht für mich, denn selten war die erneute Anmeldung ein so klarer Fall wie beim Crosstriathlon.

Zeit, dem Team des Triathlonclub Wuppertal für diese großartige Veranstaltung zu danken und zu gratulieren. In den letzten Jahren habe ich ja so einige Events in Deutschland kennengelernt, doch keines erreicht dieses Niveau. Der Verein ist mit 160 Mitgliedern relativ klein, rund 80% davon sind bei der Veranstaltung aktiv im Einsatz. Das ist nicht nur eine super Quote, sondern bietet im Verhältnis von 4:1 zwischen Sportlern und Athleten eine intensive Begleitung und allerhöchste Qualität. Nicht zu reden von der guten Laune und Freude, die alle ausstrahlen. Spürbar gut tut der Veranstaltung auch die Limitierung der Starterzahl, was nicht zuletzt den Auflagen aufgrund der Streckenführung durch das Naturschutzgebiet zu verdanken ist. Trotz der Weitläufigkeit ist für Sicherheit und Klarheit beim Streckenverlauf gesorgt, vom Beckenrand bis ins Ziel. Einfach engagierte Enthusiasten in Wuppertal– wirklich klasse!

Physiotherapie und Photographie
Last but not least ein Lob auch für das Physiotherapieteam des Rainbow Med unter der Leitung von der netten Nadine, deren Massagen im Zielbereich wieder regen Zuspruch fanden. Zuspruchtechnisch kamen wir selbst auf der Liege schnell ins Gespräch, da ihr Freund Stefan „Hegi“ Hegenbart tradierter Fotograf des Triathlons ist, und sich immer freut, wenn jemand seine Fotos gut findet. Was untertrieben ist. Nur ganz wenige haben einen solchen Antrieb und eine solche Leidenschaft. Die routinierte Beherrschung der Technik als Mittel zum Zweck, um abzubilden oder herauszustellen, was die Besonderheiten im Mikrokosmos des Wettkampfs ausmacht. Herausragende Fotografen machen die Magie der Momente, die Seele der Sache sichtbar. Schaffen Perspektiven, die vertraut und doch neu sind.

Nadine hilft Hegi dabei. Ihre Hände kennen sich nicht nur mit Muskeln aus, sondern auch an der Maus: Sie zeichnet sich zuständig für den Zuschnitt der hunderte, tausende Bilder der Veranstaltung. Auf drei- bis viertausend Bilder schätzt sie die Bruttoausbeute von heute. Am Ende finde ich nicht nur die Massage klasse, sondern auch ihre Zusammenarbeit.

 (Foto: SH Photography by Stefan Hegenbart)

Besonders gefreut haben mich die vielen bekannten Gesichter. Andrea, Tim, Verena, Oliver, Tim, Guido, Till, Roland, Stavro und alle die, die ich vergessen habe. Herzlichen Glückwunsch zu euren guten Ergebnissen, danke für die Hilfe, danke für die Fotos und (allerspätestens) bis zum nächsten Jahr!

(Mehr als 1.000 ausgewählte Fotos quer durch alle Wettkämpfe von SH Photography by Stefan Hegenbart hier)

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