Wuppertaler Volkslauf 2012

Einer der ältesten Volksläufe Deutschlands führte heute bei wunderschönem Herbstwetter 2.200 Läuferinnen und Läufer rund um die Wuppertal-Ronsdorfer Talsperre. Bericht und Fotos hier, weitere Bilder bei Google+.

Der seit 1967 angebotene Wuppertaler Volkslauf zählt zu den ältesten Läufen in Deutschland. Kurz zur Geschichte: In früher Urzeit war die Teilnahme an Laufwettbewerben nur Mitgliedern von Sportvereinen gestattet. Dank der Gedanken an die Ertüchtigung und Gesunderhaltung der Gesellschaft demokratisierte sich die Sache Mitte der Sechziger auf breiter Linie, quasi parallel zum Käfer. Der erste Volkswagenlauf startete 1963 nahe Augsburg. Seitdem hat sich die Zahl von Veranstaltungen und aktiven Läufern kontinuierlich gesteigert. Im Jahr 2010 nahmen mehr als 2 Millionen Menschen allein in Deutschland an rund 3.800 Läufen teil (Quelle: DLV), womit im Mittel ein Lauf überschaubare 526 Teilnehmer „groß“ ist. Geht man von durchschnittlich 7 Starts pro Jahr aus, gibt es 280.000 Läufer, die regelmäßig an Wettkämpfen teilnehmen. Der Marathon ist dabei mit weniger als 200 Läufen jährlich eher Ausnahme als Regel, beliebter sind Distanzen zwischen 10 und 21,0975 Kilometer Halbmarathondistanz. Die deutsche Leichtathletik kennt neben dem breitensportorientiertenVolkslauf noch den Straßenlauf, der sich durch ein verschärftes Reglement bei Strecke, Durchführung und erbrachter Leistungen unterscheidet.

Jedenfalls gab es in diesem Jahr beim Wuppertaler Volkslauf mit gut 2.200 Läuferinnen und Läufern einen neuen Teilnehmerrekord weit über dem Durchschnitt. Klassisch beim Wuppertaler Volkslauf, dass ein Großteil davon Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren waren waren. Angebotene Streckendistanz: 400 Meter für die Bambini, 1.850 Meter für die Jahrgänge 1995 – 2004, außerdem zwei Hauptläufe über 5 bzw. 10 Kilometer. Entsprechend jung und dynamisch ging es vor Ort zu, die Stimmung war sehr familiär.

Wunderschönes Herbstwetter aktivierte zahlreiche Kurzentschlossene, und machte aus dem malerisch gelegenen Veranstaltungsgelände rund um die Gesamtschule in Wuppertal-Ronsdorf einen sportliche Hotspot. Dabei ist das Areal weitläufig genug, dass nie das Gefühl von Enge und Gedränge aufkommt. Die grünen Wiesen, herrlichen Wälder und der Geruch frischer Bratwurst taten ihr Übriges, um den Samstagnachmittag perfekt sein zu lassen.

Das Wetter bot ideale Voraussetzungen für Top-Ergebnisse. Während sich der Samstagmorgen mit verhangenem Himmel und einigen Tropfen bei nur 8° ungemütlich zeigte, klarte sich der Himmel ab Mittag auf, die Temperaturen stiegen auf läuferfreundliche 17 Grad. Ab Mittag sausten und siegten zunächst die Jugendlichen über die 1.850 Meter lange Strecke, mit Zeiten, von denen ich nur träumen kann, zum Beispiel Levin Löcker und Lina Baumgärtel in der M10 und W12 (je 7:43), Miles Gutbrod in der M15 (06:15) oder David Ibe über 5.000 Meter (19:09). Wobei Alter und Zeiten ohnehin Schall und Rauch sind angesichts der Spitzenleistungen eines Werner Beecker selbst im hohen Alter (M80, Seniorenleichtathlet beim LC Wuppertal). Weil Herr Beecker, wohlgemerkt mehr als 80 Jahre jung, letztens die 5.000 Meter in schmalen 22:25,47 Minuten lief. In der Welt-Bestenliste ist er damit Dritter. Für 10 Kilometer gönnt er sich mit 46:57,08 Minuten nur ein klein wenig mehr Zeit – das haben in seiner Altersklasse erst fünf Menschen auf der Welt geschafft.

Heute werde ich nicht so schnell sein. Weder so schnell wie die Kinder noch wie Herr Beecker. Es fehlen ein paar Minuten bei den 10 Kilometern. Dafür sind es auch 284 Meter Steigung auf der 10-Kilometer-Strecke. Immerhin, jetzt weiß ich, weshalb die Beine am Sonntag ein bisschen schmerzten. Das versöhnt mit 51 Minuten und einem Platz im gehobenen Mittelfeld, außerdem beruhigt es die Nerven: Der Röntgenmarathon in ein paar Wochen wartet 540 bzw. 650 Metern aufwärts bzw. abwärts auf, was mir nach den Erfahrungen beim Zoolauf schon dezent Sorge bereitet hat. Die Sorge geht, der Schmerz bleibt.

Ich war im Stress. Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, ab Mittag vor Ort zu sein, und alles zu fotografieren, was nicht bei drei durchs Ziel ist. Aufgrund einer Terminkollision am Vormittag konnte ich mich auf das Nötigste beschränken, und fing Eindrücke und den Start des 5 Kilometer Hauptlaufes ein, außerdem dessen Sieger beim Zieleinlauf. Danach blieben noch 20 Minuten, um die Kamera wieder sicher im Auto zu verstauen, die Startnummer anzubringen, und zum Start zu traben. Ein paar Fotos von Andreas „afi“ Fischer Lauf finden sich in der Galerie der WZ, daneben war Fotobalance aus Recklinghausen als Fotoservice vor Ort, die sich für die Zieleinlauffotos zuständig zeichneten. Auch von dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die kostenfreien (!) Bilder an alle teilnehmenden Kinder und Jugendlichen.

Zu meiner Überraschung war der Lauf über die 10 Kilometer Distanz weniger stark frequentiert als das halb so lange Derivat (229 zu 450 Finishern). Die Startaufstellung auf dem Schulhof der Gesamstschule ist komfortabel breit – gefühlte 30 Meter. Unmittelbar nach dem Start verjüngt sich die Strecke, lässt im kurzzeitig brutalen Anstieg am Berg hoch zur Blutfinke aber noch ausreichend Platz für die losstiebende Meute. Auf der Kuppe führt uns die Kehre hinab in den Wald, auf den Kurs rund um die Talsperre in Wuppertal Ronsdorf. Ein wunderschönes Gebiet, umrahmt vom Freudenberg (Norden), Hahnerberg (Westen), Morsbachtal (Süden) und Ronsdorf (Osten). Jedem Läufer, Nordic-Walker, Wanderer oder Mountainbiker ans Herz gelegt.

Nach spätestens 3 Kilometern hat sich das Feld stabilisiert, jeder seinen Platz gefunden, die Reihenfolge wird gehalten. Meistens jedenfalls, denn die Steigungen sind wirklich ganz ordentlich. Am Berg verschenke ich reihenweise Plätze, lasse mich sogar zu der einen oder anderen Gehpause hinreißen. Doch der LC Wuppertal hat vorgesorgt, und Streckenposten aufgestellt, denen ich schon schier ihrer Paradeuniformen in Form von LC-Trainingsanzügen den gebührenden Respekt entgegenbringen möchte, und wieder Fahrt bzw. Lauf aufnehme. Schlimm genug, dass ich Kopfhörer trage. Ich weiß, das wird nicht gern gesehen, auch wenn ich heute nicht alleine damit dastehe, ach was, rumlaufe. Ein Glück, dass ich nicht disqualifiziert werde. Nicht zu denken, wenn das ein Straßenlauf wäre. Doch, ging ja gar nicht, ist ja Wald hier. Und wie!

Unbezahlbar das Panorama im Wald, mit Lichtreflexen auf der Talsperre und durch das letzte Grün dieses Sommers, entlang der stockigen Waldpfade, umringt von anderen Läufern. Immer wieder öffnen sich neue Perspektiven, das Gelände ändert sich in einem fort. Hier ist kein Platz für die Eintönigkeit so mancher kilometerlanger Geraden auf Beton wie beim Marathon (was unzweifelhaft auch seinen eigenen Charme hat). Das ist Natur pur, mit der typisch tiefen Atmung beim Laufen. Genuß mit allen Sinnen. Selten rückte angesichts  solcher Ausblicke und der familären Stimmung des Laufs für mich der Wettkampfgedanke so sehr in den Hintergrund. Gilt auch für das dynamische Duo Gaby und Barbara, die zusammen liefen, weil man sich dabei so schön unterhalten kann.

Zwischen 35 und 40 Minuten haben die Erstplatzierten für die Strecke gebraucht (1. Sascha Velten vom Lüttringhauser TV in 35:40, 2. Marc Walter in 36:01, 3. Ewout Hilferink vom LC Wuppertal in 37:24 und 4. David Koll vom Tri-Club Wuppertal in 39:03). Allesamt Lokalmatadore, die bereits 2010 die vordersten Plätze belegten.Überhaupt ist der Veranstaltung laufsporttechnisch eine gewisse Ergebnisorientierung und Ernsthaftigkeit zu attestieren. Mit dem LC Wuppertal e. V. wird der Lauf von einem traditionellen Leichtathletik-Club veranstaltet. Hier geht es wirklich um´s Laufen, ums´Ergebnis. No frills. Bei Facebook fehlt die fidele Truppe trotzdem nicht.

Am Schluss ein schöner Kontrast zum Eventcharakter des Zoolaufs wenige Tage zuvor. Trotzdem möchte ich beides nicht missen. Und freue mich ein wenig wehmütig auf den kommenden Sambatrassenlauf Anfang Oktober, der in diesem Jahr zum sechsten und letzten Mal stattfinden wird. Andreas hat mit den Zoolauf konzeptionell ein neues (Tiger)Baby gefunden, kündigt gleichzeitig aber eine Rückkehr auf die Trasse am 08. Dezember 2013 an. Seit gespannt!

Weitere Links:

Bilder (externe Nutzung gemäß Creative Commons (by-nc-sa))
Artikel (Westdeutschen Zeitung)
Weitere Bilder (Westdeutschen Zeitung)
Leichtatletik-Club Wuppertal e. V.
Fotobalance

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