Tierische Premiere: 1. Wuppertaler Zoolauf

Die ganze Affenbande brüllte, und so fanden sich gestern ein Rudel von rund 200 Läuferinnen und Läufer zum 1. Wuppertaler Zoo-Berglauf ein. Eine Probelauf-Stampede im kleinen Kreis,der vom Zoo zusammen mit Laufsport bunert in Wuppertal organisiert wird. Zwei Runden á 2,1 Kilometer mit immerhin je 90 Meter Höhenunterschied rechtfertigen den „Berglauf“ im Namen, und bei theoretisch 100 Runden wäre immerhin schon ein Mount-Everest-Lauf (und doppelter Ultramarathon) drin. Beim Anblick des Seehundbeckens wurden Erinnerungen an den Triathlon wach. Wir hatten jedenfalls beim Testlauf einen tierischen Spaß, ganz offensichtlich einige Zoobewohner auch. Toll auch die vielen bekannten Gesichter außerhalb der Käfige.

Laufbericht hier, unten optische Eindrücke. Eine große Galerie gibt´s bei der Runner´s World (!) vom grandiosen Heinz Schier, der daneben ein sehr sehenswertes Video mit tollem Soundtrack in seinem Best-of bietet (Link unten, im Oktober ist Heinz Schier auch Titelfotograf der weltweit größten Läuferzeitschrift). Die unten Liste wird mit steigender Anzahl bekannter Quellen erweitert 😉

Galerie der Runner´s World
Video Best-of HSR Sport- und Eventfotografie
Fotos von Laufsport bunert und Andreas Menz
Eindrücke von Radio Wuppertal
njuuz.de: „Gelungene Generalprobe“
WDR TV Vorab-Bericht in der Lokalzeit Bergisch Land
NEU WDR TV „Berglauf im Zoo“
NEU
 WZ „Probelauf zwischen Seelöwen und Tigern
NEU Laufbericht

Von Veteranen und Veterinären

Einführungsrunde. Weil alle die Strecke noch nicht kennen und weil Gehen ohnehin energieeffizienter ist, wird Gegangen. So wird ein Mindestmaß an Restluftkapazität sichergestellt, um sich zu unterhalten und die Strecke, Achtung, durchzugehen. Mit reduziertem Tempo, wie in der Baustelle, nur ohne Stau. Parallel bleibt das Feld geschlossen, und die Strecke erscheint lang. Was auch daran liegt, dass man im geruhsamen Tempo und in der Gruppe Reden und Zuhören und Nachdenken kann, und die Gespräche über Jungfrau-Marathon (1.820 HM) oder Tour de Tirol (2.200 HM) noch nachdenklicher machen. Was sind da schon die paar Höhenmeter an diesen Hängen?

Der Kurs ist verwinkelt und führt pro Runde 2,1 Kilometer durch den zoologischen Garten. Und damit beläuft sich die Laufstrecke noch bei weitem nicht über die gesamte Wegstrecke des Zoos. Trotzdem gibt es mehrere Stellen, an denen sich Läufer begegnen und grüßen. In Wahrheit verfolgen sie einen, aber es fühlt sich viel schöner an, wenn man glaubt, man würde sich treffen. Und sie grüßen ja auch zurück, das macht die Illusion perfekt.

Was wäre, wenn das kein Probelauf wäre? 100 Runden, 9.000 Höhenmeter, nur mal als Beispiel. So wie beim Hallen-Triathlon letztens und demnächst wieder in Dortmund, als ich den Laufkumpels freudestrahlend über die 21 Hindernisse berichtet habe, die man bewältigen müsste. Kurze Pause, Kumpels gucken fragend. Und ergänzen, dass es doch aber 10 Runden in Dortmund seien. Wie ich das konditionell machen würde, warum ich mir das antue, ob das mit dem RTW geklärt wäre.

Die 90 Wuppertaler Höhenmeter pro Runde sind anspruchsvoll. Kein Vergleich zum Zoolauf in Duisburg. Theoretisch geht es pro Meter Strecke nur 4,3 Zentimeter aufwärts. Wären das schon 4,3% Steigung? Doch erstens kann ich beim Laufen gar nicht gut rechnen, zweitens ist die Strecke nicht durchschnittlich. Als Rundkurs laufen wir die 90 Meter in jeder Runde auch wieder runter, also stimmt die Rechnung nur bedingt. Das Gefälle ist willkommen, die geraden Abschnitte lassen wir mal beiseite, aber es gibt gefühlt oft 90° Steigung statt 90 Höhenmeter. Gut, dass es ein Wettkampf ist und gut, dass das Feld so groß und die Runde so klein ist. So spürt man stets die Blicke von Mensch und Tier, lässt nicht nach, läuft und keucht tapfer weiter, bis zur Kuppe und darüber hinaus. In der ersten Runde.

Zweite Runde im Anstieg, wieder an den Seelöwen vorbei. Ich versuche mich und andere abzulenken. Scherze angesichts der infrastrukturellen Voraussetzungen über die Möglichkeit eines Triathlons, wo der Blick ins verwaiste Seehundbecken wandert. Keine Robben weit und breit, heute bevorzugen sie wohl lieber trockenabfallende Sandbänke statt trockenansteigenden Fanmeile. Vorbei an den Geißböcken, die die bunte Stampede vom Fels aus genau im Blick behalten. Es flacht über ein paar dutzend Meter ab, so dass man etwas verschnaufen und gleichzeitig die Geißböcke zurückbeobachten kann. Irgendwie ist so ein Lauf durch den Zoo auch ein Zoobesuch, und man hat gut damit zutun, das alles unter einen Hut zu kriegen.

In weiter Rechtskurve zieht die Steigung, nicht das Tempo, wieder an. Steuert uns auf einen zoologischen Höhepunkt zu, bei dem es drunter und drüber geht. Im neuen Freilandgehege der sibirischen Tiger führt die Sambatrasse entlang. Genauer gesagt, ein wenig darüber, alles andere wäre eine wenig tragfähige Lösung. Eine beliebte Strecke bei Freizeitsportlern, die an dem Abend ganz schön was zu gucken hatten. Laufen in der dritten Dimension! Bezaubernd, wie die süßen Tigerbabys viele Läufer und Läuferinnen (in Wahrheit nur Läuferinnen) magisch an die Guckscheiben zogen. So kann später im Wettkampf gut Zeit und Plätze gemacht werden! Der Zoo ist voll von solchen Chancen, gleiches Spiel kurz vorher bei den Eisbären. Jahreskarteninhaber sind hier ganz weit vorn.

Die Dämmerung hat eingesetzt, das Futter ist verteilt. Zu dieser Tageszeit genießen viele Tiere den Vorabend schon auf der Couch, erklärt uns Dr. Arne Lawrenz, der das Feld der Läufer anführt. Sportlich ein Veteran, beruflich ein Veterinär: Der Tierarzt des Zoos weiß um die Sensibilität einiger Arten, weshalb einerseits die Route stressfrei gewählt wurde, andererseits Tiere mit dünnen Nerven im Stall bleiben. Beim Laufen plagt mich indes eher das schlechte Gewissen, weil mir meine eigene Bewegungsfreiheit bewusster wird, und die Tiere dauernd neidisch rüberschielen. Ihr da draußen, ich hier drinnen. Dabei leisten Zoos wichtige Beiträge zum Artenschutz und -erhalt, idealerweise schaffen sie den Menschen ein Bewusstsein und sind lehrreich. Und wir Läufer bescheren den Affen immerhin einen amüsanten Abend. Manche haben dabei auch noch das dringende Bedürfnis, zu definieren, wo ihr Revier anfängt und unseres aufhört. Solche Bedürfnisse sind Läufern im unmittelbaren Wettkampfumfeld nicht fremd.

Beim Blick durch die Baumwipfel schimmert der Himmel rosa und zieht Fäden und Vorhänge aus Grau. Ich kann oder will mich nach diesem Anblick nicht an Starkregen erinnern, bis zu dem Moment, als wir schon am Zelt standen, zusammen mit dem LC Wuppertal und Laufsport bunert und WDR, vertieft in vom Laufen noch adrenalingeschwängert intensive Gespräche. Der Monsun schweißte uns noch mehr zusammen, in der Zeltmitte.

Wir fragen uns, was wohl aus den anderen Läufern geworden ist, die noch oder wieder auf der Strecke sind. Andreas hatte sie beim Start noch gewarnt, dass es im frühen Herbst auch früher dunkel wird. Dann der Regen. Es erinnert wieder an Jurassic Park, nur dass eigentlich niemand Glasbehälter mit Genproben an den Hafen oder in die Schwebebahn bringen wollte. Wohin sie der Regen wohl gespült hat? Vielleicht wollen wir das auch lieber gar nicht mehr wissen, angesichts der interessierten Blicke und im Hintergrund hörbares Heulen der weißen Wölfe.

Schönes Ende nach viel Gelände. Auf dem Weg vom Auto ins traute Heim ziehe ich noch mal die gehörnte Fellmütze auf. Es ist spät, es ist kalt, jetzt traue ich mich das. Es ist noch nicht Karneval, also purer sozialer und ziviler Ungehorsam. Andererseits ganz praktisch, so muss ich die Mütze nicht in den Händen halten, und meine Ohren bleiben trotz nur noch 8,5° schön warm. Verkleidungen sind generell bei Zooläufen, afrikanischen Maskenritualen und Rosenmontagszügen am Rhein beliebtes Accessoires. Statt Cowboy und Indianer wurde das Bild von Affen, Elefanten und mancher Micky-Maus beherrscht, obgleich die meisten Läufer ohne liefen. Mit macht mehr Spaß.

Der Termin für den 2. Wuppertaler Zoo-Berglauf steht fest. Mittwoch, 12 Juni 2012. Genau wie beim Zoolauf in Duisburg sind exklusiv Zweierstaffeln geplant. „Du kannst Dir schon mal einen Partner suchen„, schallte es mir fröhlich entgegen. Als Single trifft einen das irgendwie. Ernstgemeinte Zuschriften willkommen, im Prinzip bin ich wie ein Tigerbaby. Zur Not gibt´s noch die Staffelpartnerbörse.

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