Sportunion unabhängiger Athleten

Das Training im Laufkurs macht so langsam Arbeit wie der Aufbau Ost. Und auch sonst gibt es Parallelen: Blühende Landschaften, die Öffnung des eisernen Vorhangs und der So(h)li.

Frühling da
Zu den blühenden Landschaften brauche ich nicht viel schreiben, das habt ihr alle selbst gerade erlebt. Sonnendurchflutet und endorphingetränkt ging es in den letzten Tagen auf die gefühlt besten Tracks meines noch jungen Läuferlebens. Dank Apple, Frühling, Daft Punk und Gerolsteiner kennt das Glücksgefühl selbst bei flottem Intervalltraining kaum ein Ende – die Gänsehaut bei rund 20° Außentemperatur sprach Bände.

Asthma da, Asthma weg
Dem eisernen Vorhang komme ich mit einigen Hüben Asthmaspray ganz gut bei. Bereits im Februar setzte bereits wieder mäßiger Pollenflug ein, der mir zuletzt verengte Bronchen und einen hohen Puls einbrachte. Diese Mauer muss weg, mit Spray läuft es sich jetzt wieder deutlich befreiter, und auch der Puls verringert sich bei Belastung um 10 bis 15 Prozent. „Like it´s meant to be runned“.

Laktattestergebnisse reviewed
Genosse Roman, Vorsteher unseres Trainingskombinates, hat meine Fragen zur zurückliegenden Laktatmessung geklärt. Denn ei verbibbsch nochhema: Mein GAT1 war mit einer HF von 105 bis 178 so weit gefasst wie die Fläche der ehemaligen UdSSR. Bevor aber mein Training von einem ebenso zentralistisch regierten, förderalistischen Ein-Parteien-Trainingsplan regiert wird, habe ich die kapitalistisch geprägten Ergebnisse hinterfragt.

Kurz zur Erklärung der Synonyme: Das Training setzt sich aus verschiedenen Einheiten mit unterschiedlichen Belastungsstufen und -charakteristika zusammen. Die körperliche Belastung bemisst sich anhand der Herzfrequenz (HF), bestimmt über den Puls. Die Stufen REG/GAT1/GAT2/GAT3/WKA verkürzeln die ansteigenden Intensitäten, und stehen für REGenerativ/GrundlagenAusdauerTraining Stufe 1/2/3 und Wettkampftempo.

Als Faust- und Sichelformel gilt: In REG und GAT1 lässt sich gut mit dem Klassenfreund reden. In GAT2 ist freie Rede und damit die Meinungsfreiheit schon eingeschränkt, einfach weil die Belastung steigt. In GAT3 und WKA kommt der verbale Sprachverkehr komplett zum Erliegen, ja selbst Zuhören und Denken fällt zunehmend schwer, der präfontale Cortex meldet sich ab – und damit auch Grübeleien. Laut Wissenschaft einer der Gründe, warum Laufen so glücklich macht.

Den GAT1-Bereich haben wir jetzt auf maximal 168 bpm reduziert, was nach den bronchial-befreiten Sunshine-Runs gefühlt jetzt auch gut hinkommt. Mein Schwellenpuls, also die aerob /anaerobe Grenze liegt bei circa 180 bpm und einer Geschwindigkeit von knapp 11 km/h. GAT3 ist mit 182 – 186 recht eng gefasst, alles darüber Reserve für den Wett- und Altersklassenkampf.

Erfreulich: Zwar ist mein Puls unter Belastung recht hoch (was individuell eben trotz Training so sein kann, nicht bei jedem Ausdauersportler vergrößert sich das Herzvolumen zwangsläufig signifikant), mein Körper produziert aber relativ wenig bzw. spät verstärkt Laktat. Das ist gut für die Ausdauer-Leistungsähigkeit. Auferstanden aus Ruinen since 2008. Vertiefende Infos hier.

Intervalltraining mit RunKeeper
Zu guter Letzt: Meine Zentralverwaltungswirtschafts-App aus dem imperialistischen Ausland, RunKeeper, beherrscht auch Intervalltraining. So braucht man nicht dauernd ungelenk auf die Pulsmessuhr linsen, oder irgendwelches Gepiepse (über)hören. Stattdessen multitoucht man sich eben schnell seine individuellen Intervalle und deren Repeats (10 times) zusammen, fertig ist die Laube. Parallel höre ich dann Musik und die sexy-gestrenge RunKeeper Lady, die mir auf Wunsch auch sämtliche Zwischenwerte ansagt (time, distance, pace und alles auch noch average). Fantastisch.

Morgen ist wieder Tag der sportlichen Einheit, da wir einem Sternmarsch gleich mit unserer Kurs-Brigade die Wuppertaler Kaiserhöhe besporten. Kollektiv werden wir dann Wald, Flur und Sportplatz per GAT3-Intervalltraining trotz des dort wiederholt fussballspielenden fremdländischen Proletariats für unsere Zwecke in Beschlag nehmen. Freundschaft!

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