Marathon: Das Danach

Vereinzelt hört man ja schonmal vom „Marathon-Blues“, also trübseligen Seelen-Leid nach Ziel-Erreichung. Bekannt auch vom Berg, nach Gipfelglück. Ehrlich gesagt habe ich mich auch schon gefragt, ob ich mich so fühlen müsste. Schliesslich trainiert man jahrelang darauf hin, giesst Wochen und Monate in sportliche Struktur, und dann DAS: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“.

Aber nein: Einerseits stand von Vornherein fest, dass der Marathon sportlicher Höhepunkt und Abschluss 2010 sein wird. Herbst und Winter stehen im Zeichen des Haltens der Kondition und Festlegung neuer Ziele für 2011. Mit Venlo(op) im Frühjahr, Triathlon im Sommer und Berlin-Marathon im Herbst stehen die (läuferischen) Herausforderungen auch schon fest. Neue, persönliche Bestzeiten – natürlich ist aber weiterhin das Erlebnis, der Spaß und die Gesundheit das Wichtigste.

Nach dem Marathon Anfang Oktober in Köln gab es tatsächlich kurz eine Phase innerer Leere und Orientierungslosigkeit. Auf solche Gefühle habe ich mich aber im Vorhinein eingestellt, das gehört einfach dazu: Wenn der Weg das Ziel ist, gibt es auch mal Kreuzungen ohne Hinweisschilder.

Das süße Nichtstun
Läufer unterschätzen häufig die Notwendigkeit einer tiefen und umfangreichen Erholung. Oft regiert das Gefühl, rasch wieder mit dem Training beginnen zu müssen, um keine Kondition zu verlieren und erneut gute Leistung zu erreichen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Bekommt der Körper die Gelegenheit zur vollständigen Regeneration, ist das die Voraussetzung für unerwartet gute Leistung bei zukünftigen Rennen. Wichtig ist auch Ruhe für den Geist, eine Pause von der Konzentration auf das Training, zugunsten mentaler Stärke in Zukunft.

Kurze Läufe mit niedriger bis mittlerer Intensität sind Wochen nach dem Marathon erste Wahl. Auch Alternativtraining wie Schwimmen, Radfahren oder eine Kombination davon, bietet sich an (auch wenn es keine Studien gibt, die belegten, dass diese Art der Regeneration dem süßen Nichtstun überlegen wäre). Selbst wenn man sich wieder voll fit, ausgeruht und leistungsbereit fühlt, sollte man dem Körper Gelegenheit geben, seinen Energiehaushalt zu normalisieren. In Zukunft bleibt sicher Zeit genug für intensives Training! Jetzt geht Qualität vor Quantität: Je mehr Wochen vergehen, desto eher kann man wieder die Geschwindigkeit steigern, und den Körper so an höheres Tempo (auf kürzerer Distanz) gewöhnen, im Kontrast zu der gewonnenen Langstreckenausdauer.

Theorie und Praxis…
„Drei Wochen danach“ genieße ich diverse Langstreckenläufe vor der Haustüre, von Rast keine Spur. Um so wichtiger ist mir das Thema in der Recherche gewesen. Innerlich ist man doch sehr auf die mittlerweile festen Zeiten und Umfänge des Trainings fixiert. Die sportliche Kontinuität zu durchbrechen, ist ungewohnt. Am liebsten würde ich schon mit der Vorbereitung auf die Wettbewerbe 2011 beginnen. Was zeigt, dass besagte Programmänderung durchaus auch eine (innere) Herausforderung ist.

Unser (wachsender) winterlicher Trassentreff (Vorjahr) ist jedenfalls wieder angelaufen, dazu unterwöchige (kurze!) Tempoeinheiten im Bergischen Land. Herbstliche, winterliche Genussläufe alle 2 Wochen am Wochenende auf der Langstrecke und ab und zu vielleicht mal etwas Experimentelles, zum Beispiel ein Nachtlauf mit extra-starker Kopflampe (die es noch zu beschaffen gilt – und auch hier gilt: Nichts geht über Qualität beim Material: Petzl Tikka²). Und etwas Ausgleichssport samt Sauna, so sollte es gut (und infektfrei) durch den Winter gehen.

Dank an dieser Stelle ganz herzlich für die vielen Glückwünsche und die sportliche Anteilnahme. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut. Nachteilig ist jetzt nur, dass mich die Couchpotatoes im Umfeld von ihren Sitzgelegenheiten aus noch schiefer als vorher angucken, ich endgültig unter Extremsport gebucht bin, und es sich mit Blick auf die bisherigen Zielzeiten doch wie ganz und gar an einem amateurigen Anfang anfühlt. Und dem wohnt ja bekanntlich stets ein Zauber inne. Wenn man so will: Das Danach ist damit eigentlich ein Davor.

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