Kinder und Laufen

Liegen, robben, krabbeln, laufen – die meisten Menschen lernen Laufen im Alter von rund 12 Monaten. Spätere Laufkurse beim Profi machen trotzdem Sinn, gerade für Erwachsene, lernen wir doch in jungen Jahren eigentlich eher „Gehen“. Doch auch für Kinder ist der Laufsport gerade in Zeiten von verbreitetem Bewegungsmangel und Fehlernährung ideal. Sport vermittelt außerdem Werte wie Ausdauer, Fairness und Zusammenhalt – und fördert die sozialen Kontakte.

Kinder, die viel Herumtollen, haben meist kein Übergewicht, und verfügen über gute Kondition. Erwachsene laufen meistens, um damit Ziele zu erreichen – etwa die Gesundheit zu fördern, schlanker zu werden, die Ausdauer zu steigern. Für Kinder sind das alles keine Gründe – für sie steht der Spaß im Vordergrund, impulsiv aus Bauch und Beinen heraus.

In der Natur der Kinder steckt allerdings im Gegensatz zu vielen Erwachsenen „Bewegung pur“. Fangen spielen, Räuber und Gendarm, Hase und Igel oder Löwe und Beute – traditionelles Kinderspiel ist aktiv. Daher ist der spielerische Aspekt gerade auch für die Kinder beim Laufen so wichtig. Doch wie lässt sich das Laufen auch mit dem Nachwuchs gut verbinden, welches Maß macht Kindern Spaß, wie viel Anstrengung ist zumutbar, wo gibt es Grenzen?

Wichtig nicht nur bei erwachsenen Läufeirnnen und Läuferinnen ist das richtige Equipment. Bei Kindern ist der Bewegungsapparat noch im Wachstum und unvollständig ausgeprägt. Viele Teenager leiden bereits unter Haltungsschäden von zu viel Sport im Kindesalter. Kinderlaufschuhe sind also eine lohnende Investition zugunsten kleiner Schutzbefohlener.

Viel falsch machen können Eltern mit zu viel Ehrgeiz. Ein mehrfaches Training in der Woche können sich Erwachsene bewusst aussuchen, für Kinder artet das aber schnell in Stress und wohlmöglich dem reinen, pflichtschuldigen Gerechtwerden einer gewissen Erwahrungshaltung der Eltern aus. Für Kinder unter 12 Jahren ist ein spezielles Ausdauer- bzw. Krafttraining noch nicht geeignet. Wie so häufig: Die Dosis macht das Gift. Ganz ohne Druck und Stress sind Ballspiele und kleine Läufe oder Ausfahrten mit dem Fahrrad aber sicher auch mehrfach in der Woche empfehlenswert, wenn denn das Kind augenscheinlich Spaß an der Bewegung hat und hier nicht falscher Ehrgeiz im Vordergrund steht, sondern schlicht und einfach Spaß an der Freude.

Kinder von 1-5 Jahren
Bewegungsspiele gehörten für fast alle Eltern zum Aufwachsen ihres Babys und Kleinkindes dazu: Laufen auf den Zehenspitzen, trampeln wie ein Elefant oder huschen wie ein Mäuschen: Kinder im Alter von 1 bis 2 Jahren trainieren damit ihre Koordination. Ältere Kinder bis 5 Jahren springen spielerisch wie Wettkämpfer, rennen so schnell wie möglich, laufen Slalom oder Figuren (Kreise, Schnecken, Achten…). Tipp für noch mehr Spielspass: Das Kind bekommt einen Fantasienamen. Kann es gehen wie ein „Schleichwetzer“? Läuft es wie ein „Windhundmops“? Ist es groß oder klein, dick oder dünn, und wie viele Arme und Beine hat es – oder sogar Flügel? Fabeltiere laufen natürlich ganz anderes als ein Pferd oder eine Kuh… der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Kinder von 5-11 Jahren
Im Bereich von 5 bis 11 Jahren kann man als sinnvolle, maximale Belastungsdauer für das Kind die Faustformel [Lebensalter x 2 = min] anwenden. Bei einem 6-Jährigen liegt damit der Wert bei 12 Minuten, etwa als lockerer Dauerlauf mit Koordinations- und Sprungübungen, oder Elementen aus dem LaufABC, die bei Nennung eines vorher definierten Stichwortes ausgeführt werden (wie Tomate=Dehnen, Wurzel=Strecksprung o. ä.). Macht großen Spaß! Wer gemeinsam mit seinem Kind läuft, muss sich immer vergegenwärtigen, das Kind nicht zu überfordern und dafür ein absolut kindgerechtes Tempo anzulegen. Die Verantwortung für eine altersgemäße Belastung, die nie den Wohlfühlfaktor des Kinders übertritt, liegt einzig und allein beim Erwachsenen! Er sollte sich auch immer vor Augen halten, dass das Kind natürlich danach strebt, gegenüber Papa oder Mama „mitzuhalten“. Beim Sport mit dem Nachwuchs geht es aber darum, dass der Erwachsene sich auf das Kind einstellt – und nicht umgekehrt.

Kinder ab 12 Jahren
Ab dem 12. Lebensjahr (Adoleszenz) kann man mit Kindern mit gezieltem Ausdauer- und Krafttraining beginnen. Das Training sollte nicht zu intensiv ausfallen, da es nicht nur körperlich fordert, sondern auch zu einer „psychischen Übersättigung“ der jungen Menschen führen kann. Im Internet oder über Fachliteratur gibt es spezielle Trainingspläne für Heranwachsende, die bereits Schnelligkeit, Technik und Gymnastik berücksichtigen. Regelmäßige Ballspiele unterstützen die Koordination und Schnelligkeit.

Freizeit vs. Verein
Bei den empfohlenen Umfängen ist Lauf(training) für kleine Leute auch außerhalb von Vereinen gut innerhalb der Freizeit gestaltbar. Trotzdem auch an dieser Stelle der Hinweis auf die Angebote des Breitensports, etwa dem SV Bayer Wuppertal e. V. oder der Kindersportschule (KISS) in Solingen. Je nachdem, wo ihr wohnt, gibt es bestimmt auch (fast) vor eurer Haustüre entsprechende Angebote für Groß und Klein!

„Hol Junior von der Laufbahn“
Lesenswert zum Thema ist auch Achim Achilles SPIEGEL-Kolumne vom 03. September.

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