„Orientierungsfahrt“ im Burgholz

Wald: Damit verband ich bislang eher Spaziergänge oder Pilzesammeln. Spätestens aber seit Rotkäppchen und dem bösen (Steppen)Wolf hätte ich es besser wissen müssen. Downhill! Singletrail! Zu früher Stunde lud heute der Triathlonclub Wuppertal zur Orientierungsfahrt im Burgholz. Rund 4 Wochen vor dem 3. Sparda Bank Triathlon hiess es „Hals- und Rahmenbruch!“. Um 10:00 Uhr sollte die Fahrt in moderatem Tempo starten…

Start

Am Sammelpunkt der MVA Wuppertal warteten rund 50 MTB-Fahrer. Tiere – technisch, modisch und (nach dem optischen Eindruck) konditionell optimal aufgestellt.Nur vereinzelt „Wiederholungstäter“, für die meisten ist der Triathlon 2010 eine Premiere. Immerhin schuf das ein wenig Vertrauen – denn mit meinem baumarktartigen Einstiegsbike kam ich mir doch arg unterdimensioniert vor, zumal häufig stollenbereifte Fullys zu sehen waren, wogegen mein hardtailed Crossbike ein schmales, hartes Brett ist. Wird es dem Downhill gewachsen sein?

Schnell fanden sich 5-6 Fahrer starke Gruppen, die im kurzen Abstand hintereinander starteten, mit je einem Tri-Club Mitglied als Guide an der Spitze. Auf der Fahrt wurde an neuralgischen Punkten Stops eingelegt und Infos vermittelt, etwa zur Organisation im Wettkampf oder potentiellen Gefahren. Abgefahren wurde die komplette Runde mit gut 300 Meter Höhenunterschied und 14,4 Kilometern.

Singletrail
Schon kurz nach dem Start auf der Sambatrasse Richtung Zoo bogen wir rechts ab in den Wald. Erstaunlich, welche Welt sich hinter Busch und Baum verbirgt. Da macht man sich als Läufer auf der Trasse gar kein Bild. Für solche Tracks nehmen Menschen auf dem Land vermutlich lange Anfahrten in Kauf , hier liegen sie direkt vor der Haustüre. Verwinkelte Waldwege, flotte Singletrails und spitze Kehren – zugegeben, das war eine Premiere. Das bisherige Training lief ebenerdig und auf der Straße, aber nicht Downhill. Zu Beginn war das Folgen der Gruppe auch überhaupt kein Problem, wobei ich mich aus Sicherheitsgründen ganz hinten im Feld einsortiert habe.

Doch schon bei der ersten „Schussfahrt“ rächte sich die Abwesenheit von Scheibenbremsen ebenso wie meine schmalen schmalen Reifen: Wo andere gut bremsten und um die Kurve zirkelten, bliebt mir nur die manuelle Stotterbremsung und warnendes Geschrei. Umsichtige Ausweichmanöver der Vorausfahrenden, ich kam gerade noch
rechtzeitig zum Stehen, wir lachten kurz zusammen – gerade nochmal Glück gehabt, Adrenalin am Anschlag. Auf Helme legt der Club nicht umsonst größten Wert.

Kraftausdauer
Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass der Begriff „moderate Geschwindigkeit“ relativ ist. Triathleten (und/oder routinierte Querfeldeinfahrer) verfügen offensichtlich über eine ganz andere Kraftausdauer. Genau die braucht man bei dem Auf und Ab nämlich – vor allem dem Auf, um die Steigungen zu bewältigen. Die schlechte Übersetzung meiner Gänge und die Größe der Ritzel waren ebenfalls nicht sonderlich hilfreich: 27 Gänge sind nicht gleich 27 Gänge – wenn die Kränze kleiner sind, braucht man in den gefragten, kleinen Gängen zwar mehr Umdrehungen, aber auch weniger Kraft für den Vortrieb. Irgendwann rächte sich also die lange Übersetzung, und die schlimmsten Steigungen schob ich, während die Gruppe davonzog. Welche Schmach, wähnte ich mich doch ausdauergestählt. Aber Fehlanzeige – Weiss ist bei den Muskelfasern nicht das neue Rot.

Vorsprung durch Technik
Loose-loose auch bei Schaltung und Kette, die bei geschätzten 20% Steigung den Dienst versagten – die abgesprungene Kette vor der ganzen Gruppe wieder aufzuziehen entbehrte nicht einer gewissen Peinlichkeit. Doch jeder fängt mal klein an – meine erste Laufrunden drehte ich schließlich auch in Fleecehose und Caterpillar-Turnschuhen. Da muss man einfach durch. Ich gehöre nicht zu denen, die schon als Einsteiger mit Top-Ausrüstung aufwarten – die gibt´s nämlich immer poe a poe, zur Belohnung bei Erfolgen.

Das Burgholz blieb trotz aller Widrigkeiten eine wunderbare Arena mit tollen Wegen und Ausblicken, adrenalinfördernden Abfahrten und steilen Abhängen, von denen man sich als Läufer so bislang gar kein Bild gemacht hat. Es hat wirklich grossen Spaß gemacht, so durch den Wald zu sausen – wobei Mensch und Material weit trockener blieben, als ich anfangs befürchtet habe. Doch das sollte sich heute auch noch ändern:

Stoisch nahm ich die Mühen des letzten Anstiegs auf mich, frustriert über die schlechte Kondition. Den Mittelteil des Triathlons auf dem Fahrrad habe ich fordernd, aber nicht so hart eingeschätzt. Zumal ich mich mit meinem Bike viel mehr zurückhalten muss, als ich dachte. Hier wird 2011 eventuell mal eine Investition fällig – bis dahin darf sich das kleine Cannondale aber noch abarbeiten und armotisieren. Gegen ein vollgefedertes MTB hat für mich bislang immer das Gewicht gesprochen, aber das scheint sich ja mit zunehmend hohen Preis und technischem Niveau zu geben. Das „Steppenwolf„, was ich vom Mitfahrer heute testweise mal hochhob, wog zumindest gleich wenig wie meins. Kostete aber auch rund 1.500,00 Euro – das ist mir aktuell just4fun noch zu viel. Da fahre ich lieber einfach ein bisschen langsamer. Gehört habe ich von der Marke schon, Kollegen planen damit eine TransAlp nächstes Jahr. Moment mal…

Abschluss
Am Ende waren wir schneller wieder oben, als ich erwartet hatte. Im Wettbewerb erscheinen 5 Kilometer Laufen im Anschluss konditionell noch gut machbar, am heutigen Sonntag standen eigentlich noch 20 auf dem Plan: Zwei Einheiten am Tag sind ja bekanntlich deshalb sinnvoll, da bei der zweiten Einheit der Stoffwechsel viel schneller hochfährt. Allerdings haben mich ausnahmsweise der intensive Regen nach den ersten Kilometern wieder ins Trockene getrieben – zu nass, zu wenig Restenergie. Körperlich und mental fiel der Restsonntag damit ein wenig ins Wasser, dennoch:

Unterm Strich bleibt eine sehr lehrreiche Orientierungsfahrt, Respekt vor den Bike-Kollegen, Dankbarkeit über die Neuentdeckung des Burgholz, Kennenlernen der eigenen Grenzen und summa summarum ein sportlicher Sonntag, der es in sich hatte.

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