Sturm auf den Turm am 15. Mai

Bergfried. altdeutsch Bercfrit, französisch Beffroi, englisch Keeptower. Hauptturm mittelalterlicher Burgen. Warte, Wehrturm und letzter Rückzugsort bei Belagerung. In der Neuzeit Wahrzeichen, Museum, Ausguck und neuerdings auch Arena. Am 15. Mai startet wieder der Sturm auf den Turm, der Spurt auf die Burg, der Treppenlauf im Kettenhemd: Schlosstor auf für den 3. Solinger Bergfriedlauf!


Historisch
1632 wurde Schloss Burg während des Dreißigjährigen Kriegs von den Schweden beschossen und belagert. Nach dem Krieg zerstörten die kaiserlichen Truppen 1648 unter Oberst Heinrich von Plettenberg bei ihrem Abzug alle Wehranlagen (Tore, Türme und auch den Bergfried). 1700 wurde der Hauptbau teilweise instand gesetzt, der Wiederaufbau inklusive Bergfried aber erst ab 1890 angegangen. 1887 wurde dafür eigens der Verein zur Erhaltung der Schloßruine zu Burg a. d. Wupper gegründet (heute: Schlossbauverein). Die Bauarbeiten zogen sich bis 1914 hin. Heutzutage besuchen über 250.000 Menschen jährlich die restaurierte Anlage. Besonders beliebt: Die Schlosskapelle (-> Trauungen), das Museum und der Bergfried.

Sportlich
Das sportliche Ereignis für Mittelalter-Fans ist wohl einmalig: Am 15. Mai 2011 findet von 13:00 – 18:00 Uhr auf Schloss Burg in Solingen der 3. Bergfriedlauf statt. Exakt 131 Stufen im engen Gemäuer sind zu bewältigen, bis am Ziel in luftiger Höhe die Glocke geläutet werden kann. Angetreten wird beim Wettkampf gegen die Uhr in verschiedenen Altersklassen und im Kampf Mann gegen Frau, Ritter gegen Burgfräuleins. Das sportliche Rüstzeug stellen die Georgs Ritter. Alleine die Kettenhemden, die Läufer anlegen müssen, sind jeweils zwölf Kilogramm schwer, hinzu addiert sich der zwei Kilogramm schwere Helm.

Unterhaltsam
Zuschauer zahlen den Museumseintritt: Je Erwachsenen 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre 2,50 Euro. Eine Familienkarte für bis zu zwei Erwachsene und drei Kinder kostet 14 Euro. Anmeldungen zum Laufevent werden bis kurz vor Schloss-Tore Schluss via E-Mail an bergfriedlauf@solinger-tageblatt.de angenommen. Bei allen ritterlichen Tugenden, Ruhm und vielleicht Ehre steht doch ganz im Sinne des Zeitgeistes der Spaß im Vordergrund: Wenn das Kettenhemd als Minirock über trainierte Läuferbeinen baumelt, kann man sich das Lachen nicht verkneifen. Das gilt für Zuschauer. Als Läufer reduziert sich die Wahrnehmung nach dem Treppenlauf im Kettenhemd auf die Atmung. Ist sie wieder im Griff, sind aber auch hier glückliche Gesichter gewiss!

Ritter Sport
Eindrücke aus einem der Vorjahre hier, Zeitlupenlaufstudie inklusive. In diesem Jahr plane ich das eine oder andere Panorama dieser Art. Der Lauf steht zwar nicht auf einer Treppenstufe mit Empire State Building, Millenium Tower oder Rheinturm, ist aber regional im Bergischen Land ohne Entsprechung. Überregional begeistert das einmalige Setting. Die kühle Schwere eines echten Kettenhemdes vergisst man nicht so schnell. Die Georgs Ritter bieten Mittelalter zum Anfassen für große und kleine Besucher, zudem ist die Moderation vom Vater des Bergfriedlaufs, Phillip Müller, ein Highlight: Als regionales Urgestein kommentiert er das spektakuläre Geschehen mit wachem Blick, feinem Geist, scharfer Zunge und historischer Kenne. Gut (aus)gerüstet auch die Malteser, die dem sportlichen Sog des Schlosses wohl auch dieses Jahr nicht widerstehen. Persönliches Ziel: Irgendwas mit Spitzengruppe.

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