30+ Kilometer Trainingslauf

Crosstriathlon schön und gut, doch dieses Wochenende standen 30 Kilometer Trainingslauf an. Um es kurz zu machen: Man läuft dafür ziemlich lange. Bislang waren 02:30 Stunden das non plus ultra.

Ich erinnere mich, dass vor einigen Wochen mit dieser Zeit auch die Energie vollkommen erschöpft war. Dann änderte ich das sonntägliche Training langer Läufe auf möglichst langsames Tempo, um die anteile Fettverbrennung zu erhöhen, und länger mit den Kohlenhydraten über die Runden zu kommen. Außerdem liess ich dabei alle Nahrung weg, um beim eigentlichen Marathon zusätzliche Kohlenhydrate als „Boost“ einzusetzen.

Unterm Strich bin ich gestern zufrieden gewesen mit den 32 Kilometern. Weder Muskeln noch Knie haben über Gebühr geschmerzt oder den Dienst versagt. Allerdings hat auch nicht mehr viel gefehlt: Ein Minimalfrühstück rächt sich genauso wie zahlreiche Anstiege oder Gefälle. Fairerweise muss man also auch die Gehpausen bei so einer Strecke erwähnen. Denen ich trotzdem etwas abgewinnen konnte, um ein besseres Gefühl für den Marathon zu bekommen: Wieviel Tempo verliere ich, welcher Rythmus bietet sich an, wieviel Kraft kann man damit schöpfen?

In Köln geht´s am 03. Oktober überwiegend ebenerdig zur Sache. Ich rechne weder mit roten Ampeln, noch mit Orientierungsnot im Wald. Trotzdem werde ich über 4 Stunden unterwegs sein. Der lange Trainingslauf bot Gelegenheit, sich so eine Zeit mal ganz aus der Nähe anzuschauen. Hätte es da nicht diesen hilfreichen Zeit- und Pulsmesser an meinem Handgelenk gegeben, wäre das Zeitgefühl total auf der Strecke geblieben.

Interessant: Mit zunehmender Strecke wurden Distanz und Dauer zusehends egaler. Es zählte eigentlich nur noch das möglichst effiziente und schmerzfreie Weiterkommen. Trotzdem gibt es phasenweise immer wieder interessante Erlebnisse und Beobachtungen. Die Welt fliegt lange nicht so schnell wie im Auto an einem vorbei, und der Geist sucht sich in der Umgebung Beschäftigung. Ungewollte Wettläufe mit Bussen, die zunehmend enervierend neben mir Halt machen, und nur auf mein Einsteigen warten. Oder interessante, akustische Zufälle, wenn ich federnden Schrittes Adi und seine Positas überhole.

Zu fortgeschrittener Zeit machte sich in den Gehpausen Kühle bemerkbar: T-Shirt, Sonne und Laufen funktioniert auch Mitte September gut, doch gegen Abend, bei bedecktem Himmel und gehbedingt mit gesunkener Herzfrequenz, kommt man irgendwann ins Frieren. Blick auf die gute Garmin: 122 BPM, also nochmal Laufen. Doch die Beine gehorchen nicht mehr, schrappen mehr schlecht als recht über den Boden. Nein, hier ist die Grenze des Energiestoffwechsels erreicht – doch nach dieser Distanz, Dauer, und unter diesen Rahmenbedingungen ist das schon in Ordnung.

Zu Hause die Knie präventiv mit Kühlpacks und nassen Tüchern gekühlt. Anschliessend gegessen, was der Kühlschrank hergab. Interessant, wie schnell der über die Woche ignorierte Mozzarella und die Tomaten verputzt waren. Doch das reicht noch nicht, bei weitem nicht, Nudeln Bolognese, kleiner Nachtisch und gefühlte 2 Liter Wasser folgen. Dem Bewegungsapparat geht´s weiterhin eigentlich relativ gut, auch wenn jede Lust auf weitere Bewegung gen Null tendiert – ein Unikum der langen Trainingsläufe an den Wochenenden. Ein klein wenig graust es vor den beiden nächsten Tagen – Muskelkater macht sich erfahrungsgemäß erst am nächsten bzw. übernächsten Tag so richtig bemerkbar.

Die Nacht ist aufgewühlt – ich träume allen Ernstes davon, bei einer Laufveranstaltung ins Ziel zu kriechen. Nicht auf allen Vieren, nein, wirklich kriechend. Ich ziehe mich mit den Fingern voran, schiebe mit den Füssen nach. Ziehe und schiebe, warte auf eine Glocke oder ein Signal, dass ich es geschafft habe, aber da kommt nichts. Darüber werde ich wach, über die tatsächliche, physische Bewegung des Kriechens, der Nacken schmerzt vom Laufrucksack mit der Wasserflasche). Faszinierende Erfahrung, hatte ich so auch noch nicht, darf aber auch ruhig einmalig bleiben.

Bis auf die besagten, schmerzenden Muskeln im Schulterbereich schmerzt sonst eigentlich nichts. Minimal sind die Oberschenkel zu spüren, ein wenig die Muskeln um die Sprunggelenke, Hunger und Durst sind auch am Folgetag noch relativ gross. Und nein, das ist keine Geißelung, wie am Wochenende eine Freundin mitleidig mutmaßte. Um Ziele zu erreichen, muss man manchmal einfach an Grenzen gehen. Der Lohn von Ausdauer ist Erfolg. Das Gefühl, es geschafft zu haben, ist unbezahlbar, und nur mit dieser Anstrengung zu erreichen. Mit Geld lässt sich sowas nicht kaufen – in diesem Sinne ist Laufen auch ein sehr demokratischer Sport.

Jetzt wird das Pensum bis zum Marathon zurückgeschraubt – der Körper soll sich erholen, und noch etwas Energie speichern: 2 Kilo zusätzliches Gewicht sind mal ´ne schöne Aufgabe ;-).

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