Wuppertal: Brüder am Berge

Gibt man bei Google die „Stadt der Treppen“ ein, erscheint Wuppertal ganz oben. Die Liste umfasst mehr als 500 Einträge (und rund 12.000 Stufen). Einen Stepper kann man sich hier also sparen. Sehenswürdig in Wuppertal ist außerdem der Zoologische Garten. Im Juni war bärig Gelegenheit, beim Zoo- und Treppenlauf beide Male am Berge Können, Kraft und Konditon zu beweisen.

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Hang zum Hang
Schuld an der vertikalen Misere ist die Topologie der Stadt in Verbindung mit gewachsenen Wohnvierteln, die im 19. Jahrhundert für Fußgänger eingerichtet wurden. Im 21. Jahrhundert entdecken in Deutschland auch immer mehr Läufer die Steigung für sich. Dem Bergischen Land kann man getrost einen Hang zum Hang attestieren, man denke jüngst an den Wuppertaler Zoolauf.

Tiere, Treppen, Trimm
Sprachlich ist das Substantiv „trimmen“ eigentlich auf See zuhause. Ursprünglich aus der Seemannssprache stammend, steht es für zweckmäßiges Verstauen. Oder das Fell beim Frisör in Form bringen. Oder den Körper, auf dem gleichnamigen Pfad, in den 70ern in, ab der 80er out, aktuelle Ausnahmen ausgenommen.

Wasserfahrzeugen und Fluggeräten kennen die „Trimmung“. Auf Fluggeräte komme ich später noch zu sprechen, für den Moment soll es um die Bedeutung der Ausrichtung von Körpern in die gewünschte Lage gehen. Statisch wie dynamisch, über Schwerpunkt wie Fläche.

Am Berg bedeutet das: Das Lauftempo und die Schrittfrequenz dem Untergrund und der Steigung anpassen. Ideal sind leichte Vorlehnung und kürzere Schritte. Abwärts viel Schwung mitnehmen, dabei nicht zu sehr über die Ferse abrollen. Vorausschauend laufen und das Streckenprofil kennen (wenigstens ein bisschen), um die Kräfte einzuteilen. Die Arme aktiv und bewusst „mitnehmen“, Schwingungsenergien und Pendelkräfte ausnutzen (muss keine Séance werden, geht hier nur um Physik). Auf die Beinarbeit achten, besonders auf den Abdruck: Der Körper erhält im Wesentlichen die Energie für den Vortrieb aus dem kurzen Moment des Bodenkontaktes der Füße. Jetzt zahlt sich das Lauf-ABC aus, eure Beine machen Abitur!

Brüder am Berge
Ob ihr nun im Ostersbaum um die Wette wetzt, als Runimal-Stampede durch den Zoo jagt, oder den Mont Blanc Ultratrail in Angriff nehmt: Die Technik ist grundsätzlich identisch.

Apropos Zoolauf: Ihr merkt, ich komme immer wieder darauf zurück. Der Einfachheit halber habe ich beschlossen, beide Läufe in einen Beitrag zu packen. In freier Natur folgten sie mit dem 12. Juni (Tiere) und 30. Juni (Treppen) jüngst kurz aufeinander, außerdem hatte ich mit dem Bericht zu Generalprobe im Zoo Wuppertal die wesentlichen Dinge beschrieben.

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Auch in diesem Jahr flippten die Äffchen im Außengehege vor lauter Action wieder aus und der Leopard lief ein paar Meter mit, glücklicherweise noch hinter dem Zaun. Nur die Weißlippenhirsche wurden aufgrund der vielen weißen Kenianer etwas schmallippig, bedurften eines bisschen Beruhigung. Was wirklich viel aufregender für die Tiere klingt, als es war. Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz ist selbst passionierter Läufer, und an der Planung des Laufs maßgeblich beteiligt.

Beide Läufe sind außerdem Brüder am Berge: 2013 jeweils eine Premiere, aber mit Vorgeschichte: 2012 besagte Generalprobe im Zoo, 2006 bereits als Treppenlauf im Rahmen des „Regionale“, einem gemeinsamen Arbeitsprogramm der Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid zugunsten der Förderung des regionalen Strukturwandels.  Sportlich hat das ja schon mal geklappt. Mit mittlerweile zahlreichen und gleichzeitig abwechslungsreichen Veranstaltungen in der Region mausert sich das Bergische Land langsam zum läuferischen Hotspot.

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Das war besonders beim Zoo-Berglauf

Staffel. Nicht mein Liebling. Ab und zu wird es bei Veranstaltungen angeboten, gern auch mal beim Marathon. Vom Prinzip her verstehe ich das, eine lange Strecke wird auf verschiedene Schultern bzw. Füße verteilt. Im Ziel ist man nicht alleine, feiert mit seinem Team, und montags im Büro ist es für Außenstehende egal: Man war beim Marathon!  Außerdem vergrößen die Staffeln das Starterfeld und die gesamte Teilnehmerzahl. Darüber freut sich der Veranstalter, wenn auch nicht jeder Läufer. Beim Düsseldorfer Metro-Marathon etwa gab es Kritik für das Gewusel aufgrund der Staffeln, unterschiedliche Abzweige und die Sammelzonen. Mich persönlich stört das beim Laufen nicht, genauso wenig, von frisch eingestiegenen Staffelteilnehmern überholt zu werden.

Jetzt gibt es ganz wenige Läufe, die ausschliesslich als Staffel angeboten werden. Der Zoo-Berglauf zählt dazu, immerhin differenzierend zwischen reiner Damen-Staffel, Herren und Mixed. Mit Laufgott Marc war schnell ein Partner (noch dazu ein wirklich schneller Partner) gefunden. Knuffig: Die Kreativität der Teams bei der Namenswahl der Staffeln. Von Barfuß Bethlehem über die Bergischen Bergziehen Boys bis hin zur Lakatat-Safari war es sprachlich weitestgehend animalisch.

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Gelaufen wurden 4 Runden, jeweils abwechselnd von Staffelteilnehmer 1 bzw. 2, sprich 1/2/1/2. Wer also (Stein)Bock auf ein Startbild hat, sollte beim Staffellauf als früher Vogel den Wurm fangen. Den letzten beissen nicht die Hunde, sondern Teilnehmer zwei hat dann die Ehre des Zieleinlaufs.

Der Kurs ist kurz und knackig. Zusammenfassend könnte man die Einzelrunde so beschreiben, dass sie entlang der Pinguine und Eisbären, Steinböcke und Adler, Tiger und Löwen steil bergauf führt, anschließend über die Hirsche, Wölfe, Eulen und Affen moderat bergab.  Also den Anstieg respektieren, beim Abstieg ruhig runterbrettern. Schön, wenn die Muskulatur darauf im Vorfeld etwas vorbereitet wurde.

Im Ergebnis: Platz 16 (von 49 Herrenstaffeln gesamt) mit einer Gesamtdauer von 37:11 Minuten. Das geht in Ordnung, bleibt aber deutlich hinter Marcs alleinigen Möglichkeiten zurück: Rundenzeiten 08:13 / 10:00, 08:29 / 10:27, woran unschwer unsere Aufteilung und die Tendenz zum Kraftverlust in der jeweilig zweiten Runde erkennbar wird. Die Adler der siegenden Staffel LG Remscheid zum Vergleich 7:10 / 7:44 / 7:28 / 7:47 (30:11) – chapeau!

Besondere Dank an Andreas Menz von Laufsport bunert für die tolle Organisation, den Zoo Wuppertal und natürlich Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz für die Freigabe des Luftraumes zwecks Vogelperspektive. Apropos, ihr findet sie jetzt auch in der Galerie der Runners World. Herzliche Grüße und ein großes Dankeschön speziell an Heinz Schier (HSR-Fotoblog sowie Runners World), der nicht nur seinerzeit die Generalprobe ganz toll begleitet und bebildert hat, sondern jetzt auch die Zoo-Berglauf-Premiere! Außerdem der lieben Nina von DeineStrecke.de für die einmaligen Armbänder (demnächst übrigens auch als spezielles Präsent für die Jubliare des HASPA-Marathons).

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Das war besonders beim Treppenlauf
Anders als im Zoo hatte ich die Erstausgabe des Laufs 2006 im Rahmen der Regionale nicht mitgemacht. Genaugenommen noch nicht einmal mitbekommen – kein Wunder, damals ganz Couch Potatoe. Und anders als beim Zoolauf reiste ich auch nicht mit Fotosack und Drohnenpack an, sondern war des sonntags in ähnlich entspannter Stimmung wie Kautionsagent Max Cherry in Quentin Tarantinos Jackie Brown.

Eigentlich mal eine ganz erholsame Erfahrung, nur waren die Erlebnisse wieder zu wuchtig, um sie einfach so im Raum stehenzulassen. Über so einen tollen Lauf muss berichtet werden, und irgendwo auf der Strecke kam mir dann der Gedanke, Zoo-Berglauf und Treppenlauf in einem Beitrag zu verbinden. So viel also mal dazu, dass der präfrontale Cortex beim Dauerlauf nix zustande brächte.

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Jedenfalls hatten auch das Nachbarschaftsheim Wuppertal, den Bürgerverein Zukunft und die Laufgemeinschaft Wuppertal e. V. rund um Jürgen Zilian irgendwann die gute Idee, 2013 die Neuauflage des Treppenlaufs zu planen.

Als Laufrevier dient das Quartier Ostersbaum, rund um den Platz der Republik in Wuppertal-Elberfeld. Die Strecke von 10,6 Kilometern konnte wahlweise alleine oder in einer 2er-Staffel bewältigt werden (2 Runden). Einzelstarter und Staffeln starten gemeinsam. Die Treppen wollte ich mit niemanden teilen, daher gönnte ich mir diesmal ganz allein die ganze Distanz.

Treppen gibt es auf der Strecke jede Menge, praktischerweise nur aufwärts. Klingt danach, die 10 Kilometer nur bergauf zu laufen? Weit gefehlt. Das wäre angesichts von zwei streckentechnisch identischen Runden ja mathematisch gesehen auch irgendwie problematisch (Ausnahme: Penrose-Treppenlauf).

Die Lösung: Es gibt vielmehr fast ebenso zahlreiche Höhenmeter auf Straßen und flacher Strecke bergab. Das versöhnt nicht nur mit eklidischer Geometrie, sondern bietet auch mal ein bisschen Erholungsmöglichkeit. Angesichts des dauernden Auf und Abs Gebot in der Not, Gehpausen waren erstaunlicherweise nur sehr selten zu sehen. Im Gegenteil, selten sieht man so viel Durchhaltewille, hört man so viele Schnaufen, freut sich so sehr über die treibenden Rythmen der Sambatrommler (wieder fantastisch: Apita Fiasko) und Zuspruch der (zahlreichen) Zuschauer.

Die Strecke ist enorm abwechslungsreich, anspruchsvoll, und saugt über die Distanz wirklich alle Kraft aus dem Körper. Selten bliebt so wenig Saft für einen Schlussspurt.  Zufällig traf, startete, lief, fightete und finishte ich mit Treppenlauf-Veteran Carsten (#65, siehe Collage unten), der so nett war, einige Meter Vorsprung am Ende zugunsten eines gemeinsamen HängezumHimmel[tm]-Zieleinlaufs herzuschenken.

Genau drei Wochen sollte ich in Münster erneut die (schöne) Erfahrung machen, dass das gewisse körperliche Unwohlsein bis zu ersten Hälfte eines Rennens ungefähr ab der Mitte dem Glück weicht, zu Bestehen, und dem Ziel näherzukommen. Zugegeben, das liegt durchaus in der Natur der Sache. Doch ab der zweiten Hälfte schlägt es häufig einfach um, der Rhythmus ist gefunden, das Vertrauen in die Ausdauer da. Ein Gefühl, als wäre die Anstrengung vom Körper akzeptiert und der Stoffwechsel darauf eingestellt, endlich Ruhe im Karton. Vermutlich liege ich damit gar nicht mal so falsch, und wie immer und grundsätzlich gilt: Nicht die Distanz tötet einen, sondern das Tempo. Zugegeben, vielleicht auch Höhenmeter.

Rundenläufe lerne ich zunehmend zu schätzen: Bessere Erkennung der eigenen Position und Performance während des Rennen (durch wiederholte Begegnungen mit den anderen Läufern entweder frontal auf gegenläufiger Strecke oder per Runde). Die zunehmende Streckenkenntnis erlaubt außerdem den optimierten Einsatz der eigenen Kräfte.  Apropos absolut optimaler Krafteinsatz: Die Lauflegende des Lüttringhauser TV Arndt Bader siegte in phänomenalen 39:50 Minuten (19:38 / 20:12). Mit dem Mittelfeld-Platz 41 (von 95 bei den Herren) und 54:11 (26:11 / 27:53) bin ich im Vergleich sehr zufrieden ;-).

Das parallele Nachbarschaftsfest unmittelbar auf dem Platz der Republik passte perfekt: Neben dem Hauptlauf freuten sich sehr viele Kinder über eine Strecke von 650 Metern. Zu voll wurde es durch die Begrenzung auf maximal 400 Läuferinnen und Läufer nicht, die Stimmung beim Wuppertaler Treppenlauf war wirklich entspannt. „Stairway to heaven“ wäre jetzt etwas dick aufgetragen, doch das heute die Treppe eher von unten gelaufen als von oben gekehrt wurde, stimmt ganz sicher.

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Besonderer Dank für die Fotos beider Collagen zum Treppenlauf gilt Odette Karbach (mehr in ihrer Galerie) und Guido „chuuido“ Gallenkamp!

Beide Läufe im Vergleich
Länge: 10,6 km  (Treppenlauf) zu 8,4 km (Zoolauf). Beide als Staffel (Zoo 2,1/2,1/2,1/2,1 bzw. Treppe 5,3/5,3) möglich, der Treppenlauf jedoch abweichend auch für Einzelstarter über die gesamte Distanz.

Höhenmeter: 800 (2 Runden á 400 HM á 12 Treppen mit 349 Stufen) zu 360 (Zoolauf, 90 HM je Runde, bei der 2er Staffel damit 180 HM pro Läufer).

Zielgruppe: Läufer aller Leistungsklassen. Steigungen und Gefälle lassen sich im Mittelgebirgsraum Bergisches Land nicht weder verschweigen noch vermeiden. Die Höhenmeter sind im Zoo und beim Treppenlauf bewusst Teil des Wettkampfs, jedoch bedeutet das nicht die Eiger Nordwand. In der Seilschaft einer Staffel lässt sich beides bewältigen. Luis Trenker unter den Läufern wählen als Einzelstarter bevorzugt den Treppenlauf.

Größe: Beide Veranstaltungen sind mit einem Teilnehmerfeld von maximal 400 Startern (aus Sicherheitsgründen) überschaubar und fast ein wenig familiär: Regionale Klassentreffen!

Kurs:
Haben alle beide ihren Reiz. Der Zoo erinnert durch ein langes Auf und schwungvolles Ab an einen Rollercoaster quer durch die Botanik. Der Treppenlauf ist urbaner und komplexer in der Struktur, beide ermöglichen das Erlebnis von Park bzw. Stadt aus einer ganz neuen Perspektive – lohnt sich!

Startgeld: 10 Euro/ 15 Euro (Treppenlauf Einzel / Staffel gesamt) bzw. 25 Euro (Zoo, Staffel gesamt). Bei beiden Veranstaltungen kostenfreie Bambiniläufe und günstige Schülerläufe.

Zeitmessung: Beide Male get it timed (GIT) – sprich rote Schleifchen am Schuh.

Style: Beide Läufe wecken den Tiger in euch, im Zoo wird zusätzlich das schönste Kostüm prämiert. Läufer-Look ansonsten eher Trailrun als Tartanbahn.

Stimmung: Zoolauf am späteren Abend mitten in der Woche – da schauen einem eher die Tiere und anderen Staffelläufer zu. Heulende Wölfe, keckernde Äffchen und eine ordentliche Prise aus dem Stall sind für die Sinne schon sensationell. Sonntags mitten durch´s innerstädtische Wohnviertel zu wetzen bringt jedoch mehr Besucher an die Strecke. Angesichts der Qualen, die den Läufer vereinzelt ins Gesicht geschrieben stehen, ist das Publikum voll motiviert und gibt beim Anfeuern richtig Gas. Nicht immer sind die durch die Straßensperrungen betroffenen Anwohner völlig tiefenentspannt, und schmeißen schon mal vorwitzigerweise eine Wasserbombe aus dem Fenster. Auf außerplanmäßige Ereignisse sollte man bei beiden Events also innerlich vorbereitet sein.

Fazit
Wuppertaler Zoo-Berglauf und Wuppertaler Treppenlauf sind empfehlenswert und haben es verdient, schon weit vor Anmeldeschluss ausgebucht zu sein. Bitte die Websites bookmarken und 2014 anmelden. Begrüßt die Berge, spart euch den Stepper, und lernt eure Stadt mal von einer ganz neuen Seite kennen.

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