Schwebebahnlauf: Back to the future

Der Bergische Firmenlauf wird zum Schwebebahnlauf – so schreiben wir´s im Web. Was wenige wissen: Schon in den 80er Jahren gab es in Wuppertal einen Schwebebahnlauf…
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Die Leichtathletikabteilung des ASV Wuppertal, die damalige Interessengemeinschaft älterer Langstreckenläufer (IGÄL) sowie der TuS Rot-Weiss Wuppertal richteten den Lauf beispielsweise 1986 aus, von dessen Existenz diese schwebebahnhofbebilderte Urkunde zeugt, die von Walter Mühlhausen gestaltet wurde.

Demographie nur Deko
Pioniere der fußbetonten Sportbewegung in Deutschland waren vor allem die ältere Läufer. 1964 schlossen sie sich zur gleichnamigen Interessengemeinschaft zusammen. Die Gründer waren der Laufpionier Dr. med. Ernst van Aaken und der Lang- und Mittelstreckentrainer Arthur Lambert. Die IGÄL (heute: IGL) setzte die 5-Jahre-Altersklasseneinteilung: So wertet etwa der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) Athleten nach ihrem Geburtsjahr in 5-Jahres-Schritten als Senioren, beginnend mit der Altersklasse „35“. Männern (M) und Frauen (W) sind damit in die AK M/W 35, 40, 45 usw. aufgeteilt. Und auf Länderebene sind sogar schon die AK ab 30 als Seniorenklassen zugelassen. Von wegen „forever young“. Demographischer Wandel geht anders.

1986 ist ein schweres Jahr: Die Welt wird durch die Challenger-Katastrophe und die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl erschüttert,  Außerdem verliert Deutschland knapp das Finale der WM in Mexiko, 3:2 für Argentinien.

Laurenz cruisen
Etwas runder läuft´s regional in Wuppertal, wo bereits im Jahr 1989 der Laurentiuslauf eine gut besuchte Premiere feierte. Rund 500 Läuferinnen und Läufern polierten das Kopfsteinpflaster vom Luisenviertel und der Friedrich-Ebert-Straße. Ebenfalls mit am Start war der LC Wuppertal, der nach wie vor mit dem traditionsreichen Wuppertaler Volkslauf im sportlerfreundlichen September ausrichtet.

Die Läufer starteten beim Laurentiuslauf in 7 Wettbewerben mit unterschiedlichen Distanzen, darunter die 4 Kilometer für Jedermann. Gestaltet war die Strecke als gerade mal 2 Kilometer kurzer Rundkurs, der je nach Wettbewerbsdistanz unterschiedlich oft absolviert wurde. Die Schwebebahn war also eher Pate für Titel und Pokal, weniger die Wegstrecke.

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Ace of Aces
In der Kategorie „Lauf der Asse“ über 10 Kilometer gewann vor mehr als 20 Jahren Achim Bourmer in sagenhaften in 29:48:39 Minuten. Laufteufel Bourmer ist damals Junioren-Vizemeister und Deutscher Meister (Mannschaft) bei den Deutschen Crosslaufmeisterschaften, Dritter bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften über 10.000 Meter. Seine Zeit steht für Leistungsfähigkeit deutschenr Leichtathletik vergangener Dekaden. Trotz allen technischen Fortschritts beim Equipment und im Training: Die Tempohärte früherer Tage findet man heute nur noch selten, selbst bei echten Siegertypen.

Die Weltspitze ist von diesen damaligen Zeiten nicht mehr weit entfernt – der Rekord liegt bei 26:17:52 Minuten, aufgestellt von Äthiopier Kenenisa Bekele im Jahr 2005. Schnellster Deutscher war 1997 mit 27:21:53 Minuten Dieter Baumann. Dieses Tempo entspricht mehr als 6 Meter pro Sekunde bzw. 22 km/h, und kann nach meiner Erfahrung selbst im schnellsten Renngalopp vom Amateur schwer erreicht, geschweige denn gehalten werden.

Wuppertaler Schwebebahn
Die Schwebebahn selbst ist sogar älter als die Stadt Wuppertal. Entwickelt vom Kölner Ingenieur Eugen Langen, öffnete die „einschienige Hängebahn“ 01. März 1901 ihre Türen, damals noch unter dem Namen „Schwebebahn Barmen-Elberfeld-Vohwinkel“ . Erst 28 Jahre später wuchsen diese Gemeinden am Fluss der Wupper offiziell zusammen, die zuvor schon das stählerne Band der Bahn verband. Von Anfang an erfuhr die Schwebebahn großen Zulauf, auch wenn zunächst nur das Teilstück im Bereich Kluse bis Zoologischer Garten genutzt werden konnte.

Heute ist die Schwebebahn, neben päpstlicher Herrenbotique, ein national und international bekanntes Wahrzeichen der Stadt Wuppertal, und weiterhin wichtiges und fortwährend modernisiertes Herzstück des ÖPNV auf einer Gesamtlänge von 13,3 Kilometern. Die Strecke folgt über mehr als 10 Kilometer sprichwörtlich dem Flussverlauf der Wupper, um zwischen Zoo und dem Stadtteil Vohwinkel auf den letzten (oder ersten) Kilometern zum Landweg zu werden.

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Bekannt ist die Schwebebahn auch für den Sprung des halbwüchsigen Elefanten „Tuffi“. Im Juli 1950 gastierte der Zirkus Althoff in der Stadt, für den der kleine Bulle zu Werbezwecken eine Fahrt zwischen den Stationen Rathaus- und Adlerbrücke unternehmen sollte.

Doch Tuffi wurde ob der ungewohnten Geräusche und Pendelbewegungen der Bahn bei der Fahrt nervös, durchbrach daraufhin bereits wenige Meter nach der Ausfahrt aus der Station die Seitenwand der Schwebebahn. Nur leicht verletzt, endete sein Sprung zehn Meter tiefer in der Wupper.  Anders als der Vorfall selbst sind die kursierenden Fotos nur Retuschen. Tuffis Sprung selbst wurde von keinem der anwesenden Reporter im Bild festgehalten, da sie selbst mit dem Toubabouh im Bahnwagon zu kämpfen hatten.

Heute wäre das vermutlich undenkbar. Fotografen haben wasserdichte (Action)Kameras, Flugdrohnen und Nerven aus Stahl. Und Tuffi selbst würde neuerdings die Wuppertaler Schwimmoper der Schwebbahn vorziehen, um sich im nächsten Finale der HardMoves hochzurüsseln und hinabzuwassern.

Dank
Ein ausdrückliches Dankeschön historisch und sportlich an Klaus Flieger und Guido Gallenkamp.

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