Das metabolische Äquivalent

Jüngst kam ich mit einem Kollegen zu dessen Nordic-Walking Fortschritten ins Gespräch. Thema Kalorienverbrauch: Kollege klärte auf, dass beim Nordic Walking eindeutig mehr Kalorien verbrennen als beim Laufen.

Ich stutzte: Die ganze Schinderei für die Katz´? Lieber Stöcke kaufen und langsam machen statt BPM im Gabbertechnobereich und Kleinkredite für neue Laufschuhe? Kein athletisches ChiChi mehr, kein Vorbeifliegen an einer stillstehenden Welt? Die süße Qual 40% stärkerer Gelenkbelastung völlig umsonst?

Was nicht sein kann nicht sein darf: In der darauffolgenden Diskussion war ich mir sicher: So ein Quatsch. Laufen ist schneller, kräftezehrender, effektiver. All that sweet sticky sweating and huffing and puffing must mean more is being burnt, right?

Als Freunde gingen wir auseinander, nicht ohne jedoch auf ein Ergebnis evidenzbasierter, sportwissenschaftlich eindeutig belegter Fakten zu wetten. So einfach, wie es scheint, ist die Frage jedoch wirklich nicht zu beantworten.

Die Recherche führt zunächst zum Begriff des metabolischen Äquivalents (MET). Es wird verwendet, um den Energieverbrauch verschiedener Aktivitäten zu vergleichen und beschreibt den Stoffwechselumsatz eines Menschen bezogen auf den Ruheumsatz im Verhältnis zu seinem Körpergewicht. Kurz gesagt: MET ist ein Energiemaß. 1 MET entspricht dem Kalorienverbrauch von 1 kcal je kg Körpergewicht pro Stunde = Ruheumsatz. Moderate körperliche Aktivitäten liegen bei 3-6 MET, intensive Anstrengungen über 6 METs. Ein Durchschnittslauf mit 9,6 km/h liegt schon bei 10 MET. So konkret wird´s beim Nordic-Walking nicht, aber immerhin attestieren Studien hierfür bei Engagement ein erreichbares Mindestmaß vom 60 % HFmax sprich maximaler Herzfrequenz. Ab hier geht man auch beim Regenerationslauf von einem Trainingseffekt aus. Oder andersrum: 60 % HFmax erreicht man durchaus mit beiden Sportarten (Quelle: Bad Sassendorfer Institut für Biomechanik).

Hinzu kommt, dass der Verbrauch von Kalorien nicht nur eine irgendwie persönliche Sache ist, sondern hochgradig individuell: Im Falle des Kollegen etwa liegt der Grundumsatz pro Tag höher, da er – wertfrei – mehr Kilos auf die Waage bringt. Liegt mein Basisbedarf bei 1.500 kcal täglich, kommt er mit 2.000 über die Nullrunden. Es ist davon auszugehen, dass uns ein und dieselbe sportliche Tätigkeit unterschiedlich viele Kalorien abverlangt. Relativität, ihr wisst.

Eine weitere Variable in der Rechnung ist die schwankende Belastungsintensität beim Sport selbst. Laufen ist nicht gleich Laufen – Intervalltraining verlangt mehr ab als ein lockerer Regenerationslauf. Beim Nordic Walking hingegen kann man stramm gehen und intensiv mit den Stöcken arbeiten, oder sprichwörtlich die Sache schleifen lassen.

Fazit: Die Fachwelt ist sich uneins. Widersprüchlich Studien, unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen, individuelle Rahmenbedingungen. Ja sogar Uneinigkeit in der Frage, ob Nordic Walking überhaupt gelenkschonender sei. Eine tiefere Suche nach „der“ Antwort spare ich mir. Zugunsten sportlicher Völkerverständigung und im respektvollen Andenken dergestalt, dass beide sportliche Betätigungen sicher gesünder als regelmäßige Fernsehabende sind. Die Wette ist damit nicht auflösbar. Es kommt eben darauf an, pauschal lässt sich ein höherer Kalorienverbrauch keiner der beiden Sportarten zusprechen.

P. S.: Höchstens in der Regel – dem Laufen. Natürlich. Maximal ist zu der Frage ein pari pari beim MET zu finden. Keinesfalls, dass Nordic Walking Jogging oder Running überholte. Eigentlich trägt´s beim Kalorienverbrauch immer die rote Laterne. Wer joggt schon dauernd mit 6 km/h? Ist doch logisch. Komisches Volk, diese Nordic Walker. 😉

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