Schnauf- und Saufgeschichte

Donnerstag war Vatertag. So mancher nimmt das zum Anlass, mal wieder die Sau rauszulassen. Wir auch. Beim Schweinelauf trafen sich allerlei Leute mit der LG Atemnot zum Laufen, Schnaufen und Saufen. Mindestens ein bisschen Wasser an den Verpflegungsständen, doch von Anfang an…

Sau und Dorf und so
Der Wülfrather Schweinelauf wird kommendes  Jahr 10 Jahre alt. Ein biblisches Alter, das Schweine selbst  heutzutage kaum erreichen. Mit gerade mal 8-10 Monaten ist Schluss. Beim Schweinelauf sind es 10,9 Kilometer, bis das Ende erreicht ist.  Weiter Grund für den Namensvetter, zu dem regelmäßig vom Veranstalter die Notwendigkeit zur Überwindung des inneren ->Schweinehundes betont wird, ist zudem der reichlich versaute Streckenverlauf in Form eines Schweins. Aus der Vogelperspektive passieren wir also Kamm, Kotelett, Schinkenspeck und Schweinebacke.

Auf 10,9 Kilometer werden die Säue also durch das Dorf  gejagt. Omni- und carnivoren Läuferinnen und Läufern läuft dabei das Wasser im Munde zusammen. Es liegt ein bisschen am Gedanken an das Schwein itself, sicher auch am knackigen Höhenprofil. Mittelgebirge halt, auch wenn das Bergische Land seinen Namen aufgrund der Grafen von Berg trägt. Wird immer betont und ist ja auch richtig, aber woher stammt dann wohl der Familienname? Denkt mal drüber nach…

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Feuchtfröhlich war es auch. Das lag nicht nur am feinen, sehr erbetenen Nieselregen, der in Kombination mit schmalen 13° ideale Laufbedingungen schuf. Oder am Schweiß. Nein, die Anstrengung gerade auf den ersten paar Kilometern am Berg, da wo es zwischen KM2 und KM4 ordentlich zur Sache geht, kurbelt die Speichelproduktion bei manchem Teilnehmer unerklärlicherweise ganz ordentlich an. Sollte das Schweine als Glücks- und Namenspatron irgendwann mal nicht mehr zur Verfügung stehen: Lama (Tier) oder Speichel (auch 8 Buchstaben) wären im Rennen. Lamalauf. Speichellauf. Zugegeben, man müsste sich erst dran gewöhnen. Da die Tage des Start- und Zielplatzes „Sportplatz Düssel“ gezählt sind, wäre aber parallel auch die Streckenführung anpassbar. Schlussletztlich wäre das auch irgendwie ein Akt der Säkalusierung, weil Schweine ja in einigen Religionen dieser Welt nicht so gut gelitten sind.

Schöner Schnaufen
Von den Kalifen zurück zum Saliva: Jeder soll ja beim Laufen so viel Spucke oder sonstige Sekrete (Nase) abgeben, wie er mag oder muss (oder beides). Ich finde, das ist eine ganz interessante Eigenart dieses Sportes, jedoch nichts für mich. Allein schon am Arbeitsplatz oder im freien Training mache ich das nicht, während des Wettkampfes fehlt dann einach die Übung. Der Schuß könnte quasi nach hinten losgehen. Nicht auszudenken, die Ferkelei.

Schöner finde ich Schnaufen. Bereits auf der Strecke kam mir beim Schweinelauf der Satz in den Sinn, dass ich selten so schön gemeinsam geschnauft habe. Ehrliche, tiefe Atmung. Weithin hörbar und in ganz unterschiedlicher Frequenz. Ein Keuchen, Hecheln, Räuspern und Stöhnen gerade am Berg, das es für die Ohren eine Freude ist. Und es ist immer irgendwie intim.

Kommt halt drauf an. Neben einer netten Läuferin schnaufe ich dann schon ganz gerne bzw. höre auch mal hin. Und selbst wenn die Gedanken dann für einen Moment auf die Reise gehen, holt einen die Realität der Anstrengung schnell wieder ein. In Wallung gerät bestimmt niemand, schon weil das Blut woanders gebraucht wird. Lieber ziehe ich Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit und aktuellen Pulsbereichs meines Gegenübers bzw. Vormirs oder Anderseites. Im Einzelfall selbst betont tief und ruhig atmen, um den Gegner zu demoralisieren und ihm seinen eigenen pneumologischen Zustand vor Augen bzw. Ohren zu führen.

Alternativ kann man gut ein Schwätzchen halten. Gerade beim heimischen Schweinelauf geht das sehr gut, trifft man doch jede Menge bekannter Gesichter. Natürlich geben alle Vollgas, zumindest nach den engen ersten 500 Metern, wo sich alles knubbelt. unterhaltungen sind trotzdem prinzipiell auf der ganzen Strecke möglich. Im konkreten Fall aber wieder nur Satzfetzen oder Einzelworte. Geht auch und beschränkt die Sache auf das Wesentliche: „Na?“ „Ach!“ „Hey.“ „Weiter!“ „Komm.“ „Schaffst. Das.“ Bistehvormirda“ (oft nicht wahr, aber einfach zur Motivation). „Bis glgl.“  Ganze Sätze klappen, aber das Schnaufen und Spucken irritiert dann, außerdem ist man hier ja nicht beim Training. Natürlich nicht zuletzt aus Respekt vor den anderen Läufern also lieber schweigen. Lieber die Energie sparen für jeweils ein Dankeschön an die becherreichenden Streckenposten und die Interaktion mit den Stimmungsnestern am Wegesrand inklusive Kinderklatscherei.

Besieg die Sau mit der Kraft Deiner Gedanken
Auf den Höhenrücken der Wiesen rund um Wülfrath war es jedenfalls die helle Freude. Trüb war einzig und allein das Wetter. Im vergangenen Jahr hat mich die schier endlose Gerade von gefühlt 2 Kilometern über endloses Feld zermartert. Schon in der Fahrschule lernen wir ja, dass fehlende Randbebauung das Gefühl für Geschwindigkeit verändert…

Im Auto kompensiert man das vielleicht mit einem Tritt aufs Gaspedal, im Wettkampf läuft man jedoch idealerweise möglichst kontinuierlich im oberen Grenzbereich der Leistungsfähigkeit. Eine einfache Lösung für das läuferische Dilemma ist die Orientierung an Zwischenzielen. Das hat mit einem Verkehrsschild und drei weiteren Bäumen hervorragend geklappt. Die Teildistanzen sind schneller erledigt und schaffen Motivation. wie die wilde Wutz lässt sich so selbst die langweiligste Durststrecke bewältigen. Sagt der Cheftrainer – und es stimmt!

Das letzte Drittel der Strecke führt das Feld neben dem Feld durch einen Bauernhof, in Wuppertal-Dornap kurz über die Straße und zurück zum Sportplatz Düssel durch idyllisch bergische Feldwege. Gelegenheit zur Mobilisierung letzter Reserven und Platzkämpfe. Der Zielsprint wird begünstigt durch ein vorgelagertes Gefälle von einigen hundert Metern, bevor man zum finalen Schlußspurt auf den Sportplatz startet.

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Ewout – Der Bergische Blitz
Vielleicht erwähne ich einfach der Vollständigkeit und des olympischen Gedankens halber noch kurz meine persönliche Verbesserung um mehr als 3 Minuten im Vergleich zum Vorjahr. Ein gutes Ergebnis im oberen Ergebnisdrittel, weniger Training, dafür ideale Wetterbedingungen in diesem Jahr. So darf es 2015 beim 10-jährigen Jubliäum des Schweinelaufs gerne weitergehen. Im Zielbereich schätzte ich mich außerdem glücklich, den Bergischen Blitz Ewout Hilferink ausführlich bei ner Pommes sprechen zu können.

Normalerweise unmöglich, weil Ewout erstens aktuell so ziemlich alle Läufe gewinnt (und an der Spitze ist es immer einsam) und zweitens als Kursleiter in der Kochschule Kirschbaum eigentlich eher ein Pommes-ferner Typ ist (trotz Holländer). Weil auf der Wiese weit und breit niemand hinter ihm zu sehen war (vorne sowieso nicht), nahm er sogar noch Tempo raus, finishte aber in 39:57 Minuten. Zwischen Mayo und Ketchup suchte ich das Geheimrezept der 83 Plätze und rund 14 Minuten zwischen uns. Vermutlich ist es die gesunde Ernährung bei Kirschbaum, die Pommes nur ein Ablenkungsmanöver.

So viel zum Laufen und Schnaufen, jetzt zum Saufen.

Grill & Chill
Sportlich bin ich konfessionslos, sympathisiere jedoch mit der radikalen Gruppe „LG Atemnot“. Den Vorsitz haben Verena und Oli (ihr kennt sie vom Brückenlauf-Bericht). Verena sieht spätestens per App ein bisschen aus wie Paris Hilton, Oli ab Werk wie ein Doppelgänger von Jeremy Renner. Irgendwann einmal wird er als Avenger mit Pfeil und Bogen laufen.

Das traditionelle Grill & Chill im Anschluss an den Schweinelauf ist jedes Jahr eine gute Gelegenheit, Erfolge zu feiern, (salzige) Wunden zu lecken oder Fältchen der Femaille frech als Grübchen wegzuloben. Diese Strategie hat meiner Erfahrung nach grundsätzlich schnell Erfolg und führt zu weiteren Getränken. Durchbrechen lässt sich der Teufelskreis nur dann, wenn aus den Grübchen Gruben, Stollen oder Minen werden. Man muss auch ehrlich sein!

Meine Models hatte ich dank einiger schnöder Zaubertricks mit Beautifyfiltern der hiesigen Handyapp in Verbindung mit der wirklich interessanten und triple-selfie-fähigen Sony QX100 trotz solcher Offenheit schnell im Sack. Sie haben sich für Ende August den Karwendelmarsch vorgenommen. Volles Programm mit mehr als 52 Kilometern und 3.000 Höhenmetern. Tiroler Bergsommer par excellence: Einmalige Naturerlebnisse im Alpenpark Karwendel, sportliche Herausforderungen und als Stärkung regionale Bio-Köstlichkeiten. Als das Bergische Land noch nicht bergig genug. Wahrscheinlich haben Sie das Höhenprofil vom Schweinelauf genauso schnell vergessen wie die Geburtsstrapazen. Frauen! Und wie ich sie verstanden habe, ist im Wellnesshotel und Rosenblütenbad noch ein Plätzchen für mich frei – bin dabei!
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Am Abend waren zu Ehren der LG noch weitere Sympathisanten und sportliche Splittergruppen anwesend. Alles Spezialisten ihres Fachs: Banker, Designer, Hacker, Logistiker, Triathleten und Winzer. So unterschiedlich sie auch sind, uns verband die Leidenschaft und Ausdauer an Grill und Kühlschrank. Passend zum Tag klang der Abend noch mit einer Gruppendiskussuion aus: „Arme Schweine? Das bivalente Verhältnis der Deutschen zwischen Schnitzel und Schweinezucht“. Schlichlich isst das Schwein gern gegessener Gast auf dem Teller. Gleichzeitig hat die Schweinehaltung einen miserablen Ruf, vor allem die herkömmliche Massentierhaltung. Wie passt das zusammen?

Wir hatten nach den Strapazen des Tages und vor dem Buffet und Getränkekästen ganz schön zu schlucken. Aber bevor die Stimmung endgültig überkochte, thematisieren wir als ameuse geu noch rasch das Dilemma des stationären vs. Onlinefachhandels und Fair bzw. Unfairtraide. Lebensmitte ist schon was Tolles.

Fazit
Der Schweinelauf macht wirklich saumäßig Spaß. Der Termin zu Christi Himmelfahrt ist optimal, nur beim Thema Religion bin ich mir noch immer ein bisschen unsicher. Wie wohl die äthiopisch-orthodoxe Kirche, die Hindus, das Judentum oder der Islam mit dem Schweinelauf umgeht? Wenn im Wülfrath zum Halali geblasen wird, sollte das jedoch keine Frage der Konfession sein.

Die Strecke ist toll, die Stimmung überragend und nicht zuletzt der Stall voller bekannter Gesichter macht den Vatertag zum Pflichttermin. Schon weil man selten so schön miteinander Schnaufen kann. Wetterbedingt wurden wir zwar im Anschluss zu Hausschweinen, was der Sau´se aber keinerlei Abbruch tat. Zum Zehnjährigen im kommenden Jahr wird also wieder gesammelt eingestallt!

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