Hunde, wollt ihr ewig leben?

In letzter Zeit eher schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht – sie aber auch mit mir. Um nicht wie ein begossener Pudel dazustehen, hier die wichtigsten Tipps für die sportliche Begegnung mit dem lieben Vieh.

Tausende Jahre lang hat der Mensch den Hund domestiziert. Gegen Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren begann er damit, Wölfe zu zähmen. In der Gemeinschaft geduldet wurden nur angepasste Exemplare, die den Grundstock für weitere Generationen darstellten. Durch Zucht prägte der Mensch Veränderungen und Eigenschaften der Tiere aus, die die heutigen Hunde von ihren wilden Verwandten sehr unterscheiden. Meint man so.

Beim Laufen begegnet man häufig Mensch mit Tier. Hunde sind des Läufers Brüder im Geiste: Lieben Bewegung und maulen auch bei Wind und Wetter nicht herum. Theoretisch der ideale Laufpartner, praktisch sind die reinen Gassigeher in der absoluten Überzahl. Spätestens, wenn der Bürgersteig zur Hundetoilette gemacht wird, fragt man sich, worauf die Symbiose zwischen Hund und Halter eigentlich fußt. Und wenn die schlimmsten Schnapper und keifensten Kläffer passiert sind, weiß man es wieder: Hunde dienen dem Menschen seit jeher zur Jagd und Wacht. Um sich trotzdem etwas sicher an der vierbeinigen Front zu fühlen, hier die wichtigsten Tipps:

• Annäherung

Wer sich Hund und Halter von hinten nähert, sollte sich frühzeitig bemerkbar machen, um beim Überholen kein Erschrecken auszulösen. Ideal sind Räuspern, Rufen oder vielleicht eine Klingel.

• Blick

Als Läufer den Hund nicht mit den Augen fixieren – das könnte er als Bedrohung deuten. Idealerweise gelangweilt tun, bewusst woanders hinschauen, um Desinteresse zu demonstrieren.

• Körpersprache

Am Hund kein Interesse zeigen, Lauftempo beibehalten, gelangweilt tun.

• Wenn mir der Hund nachläuft…

Nicht beschleunigen. Wahrscheinlicher als Beutefang ist ein „Spiel“ des Hundes. Eine Steigerung der Geschwindigkeit löst aber vielleicht erst einen Angriff aus. Besser einfach etwas Tempo reduzieren, gegebenenfalls stehenbleiben. Den Hund ignorieren – auch wenn es schwerfällt. Lieber den Halter im ruhigen Tonfall ansprechen, und ihn bitten, den Hund zur Ordnung zu rufen.

• Wenn der Hund bellt, knurrt oder Zähne fletscht…

Bellen ist je nach Tonlage meist eine Kommunikation mit dem Halter, oder ein Signal zum Spiel. Knurren, Zähnefletschen oder gesträubtes Nackenfell signalisieren eher einen drohenden Angriff. Hier sollte man nicht auf Konfrontationskurs gehen, um den Hund nicht erst recht zum Angriff herauszufordern. In der Nähe eines Hauses oder Bauernhofes bewacht ein freilaufender Hund vielleicht nur sein Territorium – am besten langsam zurückziehen. Pfefferspray, Taser, Stock oder Trillerpfeife sind leider auch keine besonders gute Idee, da bei falschem Gebrauch der Einsatz meist fehlschlägt, und die Hunde noch aggressiver werden. Besser in tiefem, festen und bestimmenden Tonfall Kommandos rufen: „Platz!“, „Sitz!“ oder „Aus!“. Mit etwas Glück klappt es, falls nicht: Ruhiges Verhalten, auch bei noch so viel Angst. Hund nicht ansehen, ruhig stehenbleiben – im Regelfall greift der Hund dann auch nicht an. Nach kurzer Zeit kommt hoffentlich auch der Besitzer hinzu, und löst die Situation auf.

Thema Anleinpflicht

Die Anleinpflicht ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. In Nordrhein-Westfalen sieht das Landehundegesetz vor, dass „zur Vermeidung von Gefahren“ Hunde in Fußgängerzonen, Einkaufsbereichen und anderen innerörtlichen Bereichen, aber auch der Allgemeinheit zugänglichen Park-, Garten- und Grünanlagen einschliesslich Kinderspielplätzen anzuleinen sind (Merkblatt). Im Wald gilt keine generelle Anleinpflicht, zumindest nicht auf den befestigten Wegen. Außerhalb der Wege ist Anleinen jedoch auch im Wald Pflicht, Ausnahme sind hier nur Jagdhunde im Rahmen jagdlicher Tätigkeiten sowie Polizeihunde – weiß das Bundeswaldgesetz. Beim Trail quer durchs Unterholz eine Sorge weniger! Apropos, wer mal kurz abschweifen möchte – hier das aktuelle Trail Mag Nr. 6 / 2010.

Kampfhunde…

Rottweiler, Staffordshire Terrier, Cane Corso – als gefährlich geltende Hunderassen fordern ihren Haltern in Deutschland mittlerweile besondere Sorgfaltspflichten ab. Infos zu den verschiedenen Hunden hier. Persönlich will ich Eignung des Halters und Wesen des Hundes beim Laufen nie auf die Probe stellen – kündigt sich ein Exemplar am Horizont an, beherzige ich den sichersten aller Tipps: Vorher die Straßenseite wechseln.

Übrigens bin ich selber natürlich immer nur nett zu Hunden. Ehrlich. Die Dusche oben auf dem Foto war eine frühe, frohe Jugendsünde. Und meine schlechten Erfahrungen sind weniger dramatisch, da die meisten Halter gefühlt ihre Hunde doch im Griff haben, ja sogar wedelnde Schwänze von positiven Begegnungen von Mensch und Tier zeugen. Andere Halter nehmen schlagartig den Hund dermaßen kurz, dass man sich fragt, welcher Kampfmaschine man da eigentlich gerade begegnet. Am lautesten bellen einen genau diejenigen Exemplare an, bei denen im Zweikampf die Chancen dann doch wohl eher auf Seiten meines Laufschuhs lägen. Klassisch: Realitätsverlust reziprok zur Größe! Und am Ende ist ja auch nur der Mensch des Menschen Wolf.

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