Avatar: Short Review / Filmkritik

Zu später Stunde, direkt nach dem Kino (3D Cinemaxx Solingen), nur so viel: Ich habe noch nie einen solchen Film (2. Trailer) gesehen. Sprichwörtlich wie ein Traum, dicht, intensiv, hinreissend, bewegend und wunderschön. Fehlt noch das Attribut „lang“, inklusive Pause (die aufgrund des technischen Fortschritts wohl weniger dem Wechsel einer Filmrolle geschuldet ist, als für die Zuschauer gedacht) haben wir im Kino über 3 Stunden zugebracht. Der Überlängenzuschlag war gerechtfertigt. .
Gestern bei der Vorpremiere gab es in einigen Kinos wohl Probleme mit dem DRM des (digital zugelieferten) Films, wodurch die Leinwände sogar dunkel blieben und Vorstellungen ausfielen. Heute Abend klappte es reibungsfrei, mit Ausnahme nach der Pause, wo es erst Tonprobleme gab (weg), dann das Bild verschwand. Nach Protesten ging es aber rasch weiter. Ausverkauft war es heute Abend zur Primetime nicht, was mich angesichts des Marketing im Vorfeld doch ein wenig wunderte. Seinen Weg an den Kassen wird er jedenfalls machen.
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Nur zuletzt bei Inglorious Basterds von Quentin Tarantino ging die Zeit hingegen so schnell um. Eigentlich noch ein wenig schneller, die Figur des Hans Lada war dann doch noch faszinierender als die recht stereotypen Charactere in Avatar (Sigourney Weaver bleibt immer Sigourney Weaver in einem SciFi-Setting, irgendwie. Sam Worringthon gefiel mir besser als in Terminator 4, kommt aber ein wenig milchbubig um die Ecke). Damit hat es sich dann aber in dieser Stunde schon mit der Kritik. Bis vielleicht auf die Tatsache, dass jetzt dieser 2. Film in 3D für mich bestätigte, was ich schon bei Ice Age 3 so empfand: 3D mit Polarisationsbrille ist anstrengend. Nicht wegen des Gewichts der Brille, sondern weil es die Augen mehr anstrengt. Ob es an meinen Augen liegt oder der Tatsache, dass der Kopf mehr zu arbeiten hat bei der Verarbeitung (vermeintlich) dreidimensionaler Bilder – ich weiss es nicht. Es scheinen mir einfach mehr Informationen zu sein.
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Zum Film: Zu James Cameron muss man wohl nicht mehr viel sagen (es reichen Aliens, True Lies, Titanic und Terminator). Das Effektfeuerwerk im Film ist entsprechend. Das Setting mit Marines auf einem fremden Planeten ist soweit auch altbekannt (beim Design inclusive Fliegerbrillen aus den 80ern, im Jahr 2.154, ist er aber ein wenig viel an seinem bewährten Look hängengeblieben. Und warum gibt es in ferner Zukunft noch immer die „Daisy Cutter“ ;-)?). Die Ureinwohner und ihr dschungeliges Heim ist ordentlich grün, zugewachsen und malerisch. Fluoreszierender Urwald ist allerdings neu (und wirklich wunderschön), gerade in diesen Szenen kommt die Dreidimensionaltät (und damit der Zuschauer) voll auf seine Kosten. Man kann sich gar nicht sattsehen. Auch die Tiefe bekommt ihren Auftritt, und es regt sich beim Hinsehen ein leichter Anflug von Schwindel. Das „Monsterdesign“ ist auch ordentlich, kleine (nicht zu kleine) und große Drachen- und Urzeitviecher-Freunde werden jedenfalls begeistert sein.
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Das Storytelling ist ordentlich (zahleiche Reviews finden es zu geradlinig, simpel und vorhersehbar – was es letztlich auch ist, aber an diesem Abend hat es für mich persönlich funktioniert, außerdem geht es ja schließlich um Unterhaltung für die Massen, keine Verfilmung von Kants kategorischem Imperativ), motion-capturing und facial movements flawless, die CGI bei Haaren und Details der Gesichter wesentlich verbessert gegenüber seinerzeit Final Fantasy. Aus Kostengründen griff Cameron wohl zu WETA als CGI-Lieferant (Peter Jacksons Firma für die Grafik bei Herr der Ringe), Einsparungen sieht man aber an keiner Stelle, im Gegenteil. Offensichtlich haben  sie weiter an ihrer Software für Schwarm-Design gearbeitet, der Film ist von zahlreichen Massen-Szenen beherrscht, die unter die Haut gehen. Über Strecken ist der Film reine CGI, der Anteil zu „realem“ Material soll bei 60 % Grafik zu 40 % liegen. Subjektiv würde ich ihn noch höher ansetzen. Die Schnittfolge ist angemessen, es gibt 2, 3 wirklich sehr hektische Szenen (in denen ich 3D dann sehr nachteilig empfinde), überwiegend aber wird dem Auge eher Zeit gelassen, mit teils schön langen Einstellungen – endlich mal wieder, nachdem sie in den letzten Jahren immer mehr aus der Mode kamen.
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Über den Inhalt selbst jetzt mal kein Wort, darüber wird schon woanders genug verraten und bekannt. Das Herz kommt jedenfalls nicht zu kurz.
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Ein grandioses Erlebnis, ein kleines/großes Gesamtkunstwerk, was den Zuschauer auch über die Musik und das Sounddesign einfängt. Die akustischen Effekte sind ordentlich (aber auch „nur“ wie zu erwarten, hier keine Überraschungen), die Sprache der Ureinwohner des Planeten bekam einen besonders aufwändigen Kreationsprozess spendiert (klingt sehr stimmig und man lauscht gern dem Klang, liest dann aber die frei im Raum stehenden Untertitel mit). Bei der Musik von James Horner hörte ich im Vorfeld, sie ähnelte sehr stark dem Titanic-Soundtrack. Kann ich nicht bestätigen, ich fühlte mich bei der gesamten Score ein wenig an König der Löwen erinnert, Wiedererkennungseffekte in sich selbst bot sie beim ersten Anschauen zwar nicht, aber das Tribale darin weiß einfach zu gefallen. Den Soundtrack organisiere ich mir sicher mal und höre hin, ob er auch separat, ohne Film, funktioniert.
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9,8 von 10 Punkten und Begeisterung über so viel Schaffenskraft, auch in technischen Belangen, beim Filmemachen.
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